Mensch und Maschine: „Unsere Techniker wissen, wo die KI nützlich ist“

„Auch wenn der Kapitalmarkt immer wieder für längere Zeit Anomalien zeigt, ist wohl nicht anzunehmen, dass der Kurs in fünf Jahren noch derselbe sein wird, wenn wir im Schnitt 15 Prozent Ergebniswachstum pro Jahr liefern“, sagt MuM-Chairman Adi Drotleff im Interview mit boersengefluester.de
Donnerstag, 19 Mär 2026
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Aktien-Coverage

Mensch und Maschine

WKN: 658080
ISIN: DE0006580806
Aktienkurs

35,80 €

(-1.78%)

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Das ist eine Ansage: Bis 2030 will das Softwareunternehmen Mensch und Maschine (MuM) den Gewinn verdoppeln. Wohlgemerkt von einem ohnehin schon hohen Niveau aus. Immerhin ist der Anbieter von Konstruktionssoftware beinahe schon so etwas wie ein Klassiker auf dem Börsenparkett. Doch so sehr die Investoren das Unternehmen in der Regel schätzen, von der allgemeinen Schwäche der Softwareaktien konnte sich MuM zuletzt nicht abkoppeln. Im Interview mit boersengefluester.de geben Chairman Adi Drotleff und CFO Markus Pech ein Update zur aktuellen Entwicklung. Die Kursziele der Analysten bewegen sich derzeit zwischen 52 und 68 Euro. Selbst in der vorsichtigen Variante hat der Titel also viel Aufwärtspotenzial. Kein Wunder: Im Gegensatz zu manch anderer Software-Aktie bietet MuM nicht nur ein moderates KGV, sondern punktet auch durch eine überdurchschnittlich attraktive Dividendenrendite.



Herr Drotleff, der vollständige Unternehmensname lautet „Mensch und Maschine Software SE“. Ein ganz klassisches Software-Unternehmen ist Mensch und Maschine (MuM) aber nicht, da Sie – neben der eigenen Konstruktionssoftware – seit jeher auch Fremdsoftware von Autodesk in Ihren Lösungen einsetzen. Konkurrieren beide Geschäftsmodelle unter einem Dach um dieselben Kunden?

 

Adi Drotleff: Überhaupt nicht, da es sich wie von Ihnen angesprochen nicht um einen klassischen Vertrieb von Autodesk-Software handelt, sondern um deren Integration in unsere Standardsoftware bzw. in Kundenprojekte. Im Digitalisierungssegment entwickeln wir Systemlösungen unter Verwendung von möglichst viel Standardsoftware und kundenspezifischer Anpassung. Die Fremdsoftware kommt dabei oft, aber nicht immer, aus dem relativ breiten Autodesk-Portfolio. Sie kann aber auch von Microsoft oder anderen Anbietern kommen, je nachdem, was im Einzelfall passt. Und wir konzentrieren uns auf wenige, stark nachgefragte Bereiche, wo wir einen Fundus an Applikationen und Branchenlösungen aufgebaut haben, um das Rad nicht jedes Mal neu zu erfinden. Beispiele sind der BIM-Booster für Bau-Kunden und der PDM-Booster für den Bereich Industrie. 

 

Und im Softwaresegment?

 

Adi Drotleff: Dort nutzen unsere Lösungen teils Standards wie AutoCAD oder Revit, und wir haben dafür OEM-Verträge mit Autodesk. Im größten Bereich CAM, mit dem wir rund 40 Prozent unseres Geschäfts machen, haben wir dagegen mit hyperCAM und hyperCAD S eine komplett selbst entwickelte Lösung ohne Autodesk-Anteil.

 

Demnach „gehören“ der MuM auch die Kunden, die über Ihre Lösungen auch Software von Autodesk kaufen? 

 

Adi Drotleff: Richtig, die Kundenbindung entsteht selbstverständlich nicht durch die in einer Systemlösung verbauten Standardkomponenten von Autodesk, sondern mit uns als Entwickler und Integrator der Gesamtlösung. MuM betreut als der älteste und einer der weltweit größten Platinum-Partner von Autodesk gut 16.000 Kunden, die im Autodesk-System ganz klar als MuM-Accounts gekennzeichnet sind, sonst könnte ja auch das Provisionssystem gar nicht funktionieren.


Kursentwicklung 1 Jahr
Mensch und Maschine Kurs: 36,45


Boersengefluester.de erfasst aus allen Geschäftsberichten unter anderem die wichtigsten Kennzahlen aus GuV, Bilanz und Kapitalflussrechnung. Zudem erstellen wir eigene Prognosen zu den wesentlichen Eckdaten der Unternehmen – inklusive Ergebnis je Aktie und Dividende.
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026
Umsatzerlöse1 243,98 266,16 320,47 323,31 325,84 238,59 263,00
EBITDA1,2 40,33 44,44 52,67 56,64 56,74 60,42 67,50
EBITDA-Marge %3 16,53 16,70 16,44 17,52 17,41 25,32 25,67
EBIT1,4 31,03 34,69 42,64 46,83 46,48 49,11 56,00
EBIT-Marge %5 12,72 13,03 13,31 14,49 14,27 20,58 21,29
Jahresüberschuss1 20,90 23,88 28,91 31,93 33,44 34,90 40,00
Netto-Marge %6 8,57 8,97 9,02 9,88 10,26 14,63 15,21
Cashflow1,7 33,73 36,91 39,05 50,59 62,32 16,58 43,00
Ergebnis je Aktie8 1,12 1,26 1,55 1,72 1,80 1,91 2,29
Dividende je Aktie8 1,00 1,20 1,40 1,65 1,85 2,00 2,15

Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt


 

Die Umstellung des Autodesk-Abrechnungsmodells hat in den vergangenen Quartalen für Erklärungsbedarf bei der Interpretation Ihres Zahlenwerks gesorgt. Wird 2026 endlich wieder ein ganz normales Geschäftsjahr oder müssen sich Anleger noch auf Besonderheiten einstellen?

 

Adi Drotleff: 2026 wird umsatz- und ergebnisseitig wieder Normalität einkehren, lediglich beim Cashflow und bei der Verschlankung unserer Bilanz wird es noch einige wenige Nachlaufeffekte bis zum Jahresende geben.

 

Herr Pech, in der Bilanz für 2025 gibt es einige auffällige Veränderungen. So sind die Darlehen kräftig nach oben gegangen, während die liquiden Mittel spürbar gesunken sind. Was ist hier der Hintergrund?

 

Markus Pech: Das liegt im Wesentlichen daran, dass wir die Kursschwäche genutzt und den Bestand an eigenen Aktien um fast 500.000 Stück erhöht haben – und dies auch weiter tun. Bei Tiefstkursen bis unter 35 Euro sparen wir ja schon bei der nächsten Dividendenzahlung im Mai/Juni in Höhe von 200 Cent pro Aktie mehr als 5,7 Prozent Dividendenrendite ein.


Hat sich die Bilanzqualität von MuM jetzt insgesamt verschlechtert oder wie stufen Sie die Entwicklung ein?


Markus Pech: Mit einem Nettoverschuldungsgrad zum EBITDA von 0,41 haben wir zwar keinen Liquiditätsüberschuss wie im Vorjahr, sind aber weiter im tiefgrünen Bereich.


Nach den extrem cashflowstarken Jahren 2023 und 2024 gab es für 2025 einen deutlichen Rücksetzer auf 16,6 Mio. Euro. Wann dreht der Trend hier wieder nach oben?


Markus Pech: Wir haben ja darauf hingewiesen, dass der Cashflow in den Geschäftsjahren 2023 und 2024 stark von zeitlichen Abrechnungsdifferenzen bei Autodesk-Drei-Jahresverträgen profitiert hatte und in den Geschäftsjahren 2025 sowie 2026 gegenläufig entsprechend niedriger ausfällt. 2027 ist dann wieder alles normal.


Um die Handlungs-Einschätzung und Bewertung der Aktie auf eine möglichst breite Basis zu stellen, bietet boersengefluester.de eine große Zahl an fundamentalen Kennzahlen sowie chartechnischen Angaben zur Performance des jeweiligen Titels.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Mensch und Maschine
WKN ISIN Rechtsform Börsenwert IPO Einschätzung Hauptsitz
658080 DE0006580806 SE 625,08 Mio. € 21.07.1997 Kaufen
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Der Dividendenvorschlag zur Hauptversammlung am 12. Mai 2026 wird um 15 Cent auf 2,00 Euro je Aktie heraufgesetzt. Wie steht es diesmal um die steuerliche Behandlung der Dividende und wird es wieder ein Wahlrecht zwischen Dividende und Aktie geben?

 

Markus Pech: 100 von 200 Cent des aktuellen Dividendenvorschlags stammen aus dem steuerlichen Einlagenkonto nach §27 KStG und können ohne Steuerabzug ausgeschüttet werden. Das bei unseren Aktionären beliebte Wahlrecht zwischen Bar- und Aktien-Dividende wird es auch in diesem Jahr wieder geben.

 

Dividendenfans werden es vermutlich gut finden, dass MuM weitgehend eine Vollausschüttung vornimmt. Aber auch für eine teilweise Thesaurierung der Gewinne gäbe es bestimmt gute Gründe. Wie argumentieren Sie hinsichtlich der von Ihnen praktizierten Ausschüttungsstrategie?

 

Markus Pech: Durch die Buchung des Löwenanteils der Softwareentwicklung als Betriebskosten kann MuM eine hohe Ausschüttungsquote bieten, ohne die eigene Zukunft zu gefährden. Außerdem kommen wir durch die relativ hohe Annahmequote der Aktiendividende ohnehin in der Praxis nur auf eine Ausschüttungsquote von gut 60 Prozent. Insofern handelt es sich nicht wirklich um eine Vollausschüttung.

   

Bis 2030, also in fünf Jahren, will MuM den Gewinn je Aktie auf mindestens 3,80 Euro verdoppeln – dabei sollen Ergebnis und Dividende im Mittel um 15 Prozent p. a. zulegen. Wenn alles so eintrifft, käme die MuM-Aktie – bei den jetzigen Kursen – auf ein einstelliges KGV und eine Dividendenrendite von mehr als 10 Prozent. Wo ist der Haken?

 

Adi Drotleff: Auch wenn der Kapitalmarkt immer wieder für längere Zeit Anomalien zeigt, ist wohl nicht anzunehmen, dass der Kurs in fünf Jahren noch derselbe sein wird, wenn wir im Schnitt 15 Prozent Ergebniswachstum pro Jahr liefern.

 

Wie lässt sich der Kapitalmarkt besser davon überzeugen, dass MuM ein Gewinner der KI ist und nicht primär durch sie bedroht wird?

 

Adi Drotleff: Wir erzählen über unsere Cover-Stories auf dem Umschlag der Quartals- und Geschäftsberichte, wie wir KI zum Vorteil unserer Kunden nutzen, z. B. auf dem Bericht 2025 für einen intelligenten Zugriff unserer CAM-Kunden auf ihren eigenen Bestandsdaten-Schatz. Unsere Techniker wissen, wo die KI nützlich ist und wo sie falsche oder gar halluzinierte Ergebnisse hervorbringt. Mal sehen, wann der Kapitalmarkt aus dem momentanen Wechselbad zwischen zu viel Euphorie und Angst vor Disruption bezüglich KI herauskommt. 

 

Herr Drotleff, angenommen, ein strategischer Investor würde an Sie herantreten und für MuM bieten. Was müsste eine solche Offerte beinhalten, damit es für Sie eine ernsthafte Option wird?

 

Adi Drotleff: Das passiert ständig, aber ich habe mich inzwischen eher für einen Verbleib von MuM am Aktienmarkt entschieden, anstatt meistbietend zu verkaufen.

 

Herr Drotleff, Herr Pech, vielen Dank für das Interview.


Fotos: Mensch und Maschine Software SE, Freepik

EoM
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Heiße Aktien mit viel Kurspotenzial, aber eben auch Risiken. Geeignet sind die Titel daher nur für spekukativ orientierte Anleger.
Prognosen für 2025 übertroffen
Kurs: 12,50
Enormer Abstand zum NAV
Kurs: 14,00
Interessante Reederei-Aktie
Kurs: 7,26

Gereon Kruse ist Gründer des mehrfach preisgekrönten Finanzportals boersengefluester.de (BGFL) und seit vielen Jahren ein profunder Kenner von Kapitalmarktthemen und Experte für Datenjournalismus. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. Zuvor war Gereon Kruse 19 Jahre beim Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Tipp: Auf der BGFL-Unterseite Referenzen stellen wir regelmäßig vor, auf welchen Konferenzen und anderen Kapitalmarktveranstaltungen das in Frankfurt ansässige Team von boersengefluester.de gerade unterwegs ist.

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