Traditionell dreht sich auf boersengefluester.de ja alles um deutsche Spezialwerte. Also mussten wir gar nicht lange überlegen, als wir auf der von Equity Forum organisierten Herbstkonferenz am 31. August 2026 nach dem Mittag die Wahl zwischen den Vorstandspräsentationen der Vienna Insurance Group, der Österreichischen Post und MedNation hatten. Hinzu kommt, dass MedNation – bis Juli 2022 als Eifelhöhen-Klinik firmierend – ausgesprochene Fans in der Investorenszene hat. Das liegt insbesondere an den enormen stillen Reserven aus Immobilienvermögen. Aber auch die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells rund um die drei Reha-Kliniken Kaiser Karl in Bonn (Orthopädie, Geriatrie), Herzpark in Mönchengladbach (Kardiologie) sowie die Aatalklinik Wünnenberg (Neurologie) um kleinere Einrichtungen in der Frühförderung von Kindern mit Entwicklungsdefiziten sowie die geplanten Aktivitäten im Bereich der Prävention von kardiologischen Erkrankungen für Selbstzahler sowie das Recruiting von indischem Fachpersonal sind Themen, die an der Börse gut ankommen.
Und das, obwohl MedNation bei der Umsetzung der ambulanten Asset-Light-Strategie momentan hinter dem ursprünglichen Zeitplan liegt. Zudem bringt CEO Dirk Isenberg, er ist auch der Vorsitzende des Aufsichtsrats der börsennotierten Limes Schlosskliniken AG, die Investmentstory ziemlich fluffig rüber: „Wir können jetzt nicht nur Reha-Kliniken betreiben, sondern nahezu alles im Gesundheitswesen machen, was Sinn ergibt.“ In diesem Zusammenhang spricht Isenberg von „kleinen Gummibooten, die wir anschieben“. Zunächst einmal mit Bordmitteln. Doch die Idee ist es, auch den Kapitalmarkt für das Wachstum zu nutzen. Insofern ist es auf den ersten Blick verwunderlich, dass MedNation Ende 2024 ein Downlisting vom General Standard in den Freiverkehr – mit dem damals noch obligatorischen Delisting-Pflichtangebot – auf die Schiene setzte.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
35,48
35,80
37,55
43,64
48,76
52,77
59,60
EBITDA1,2
6,46
6,85
4,07
5,32
2,47
5,10
3,25
EBITDA-Marge %3
18,21
19,13
10,84
12,19
5,06
9,66
5,45
EBIT1,4
1,37
-1,16
0,65
1,96
1,05
3,43
1,85
EBIT-Marge %5
3,86
-3,24
1,73
4,49
2,15
6,51
3,10
Jahresüberschuss1
-1,31
-4,22
-1,85
2,23
0,10
2,51
0,90
Netto-Marge %6
-3,69
-11,79
-4,93
5,11
0,21
4,76
1,51
Cashflow1,7
7,27
6,54
0,61
2,62
2,31
2,21
2,95
Ergebnis je Aktie8
-0,47
-1,46
-0,63
0,73
0,11
1,07
0,25
Dividende je Aktie8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Auf der Herbstkonferenz in Frankfurt sagt Vorstand Isenberg aber, dass es ein klares Bekenntnis zur Börsennotiz gibt: „Für die kleine Muckibude hier waren die ganzen Verpflichtungen aus dem Geregelten Markt einfach zu viel. Wir haben uns daher ganz bewusst für ein Downlisting entschieden.“ Rückendeckung dafür gab es bestimmt von den Großaktionären Dino Holding um die Familie Fortmeier, der ebenfalls gelisteten Beteiligungsgesellschaft Chapters Group, dem Business-Angel Matthias Helfrich – und eben Dirk Isenberg als viertgrößtem Anteilseigner. Der Vollständigkeit halber: 10 Prozent der eigenen Aktien hält MedNation selbst. „Das ist auch keine Dauerlösung. Die Aktien sollen irgendwann wieder in den Markt“, räumt Isenberg ein. Zur Einordnung: Beim aktuellen Kurs von 3,90 Euro stehen die 311.999 eigenen Aktien für einen Portfoliowert von gut 1,2 Mio. Euro.
Spätestens jetzt dürfte auch klar sein, warum Isenberg von „Gummibooten“ spricht: Mit einem gesamten Börsenwert von nur knapp 12,2 Mio. Euro ist MedNation ein Microcap und weit entfernt von großen Klinikkonzernen. Selbst die auf die Behandlung psychischer Erkrankungen spezialisierte Limes Schlosskliniken AG spielt mit einem Börsenwert von mehr als 160 Mio. Euro in einer anderen Liga. Umso interessanter die Kurstreiber aus einem mittlerweile ansehnlich profitabel betriebenen Kerngeschäft rund um die Rehakliniken plus der Fantasie aus der Asset-Light-Strategie im Präventivbereich.
Als Option on top gibt es die stillen Reserven aus dem immerhin 225.000 Quadratmeter umfassenden Gelände der Klinik in Mönchengladbach. „Wir würden gerne Betreiber der Klinik bleiben, aber nicht Eigentümer des Areals“, sagt Isenberg mit Blick auf die laufenden Planungen zur Entwicklung und Vermarktung der Parkanlage. Zur Einordnung: In der Bilanz steht die Immobilie mit 24,1 Mio. Euro. Ein Gutachten von 2025 taxiert den Verkehrswert von Grundstück und Gebäude auf 38 Mio. Euro. Losgelöst davon bleibt es die schwierigste Herausforderung bei der Umsetzung der Wachstumsstrategie, das dafür nötige Fachpersonal – spricht vorzugsweise Therapeuten – zu akquirieren. Ganz wichtig: Wer sich für die MedNation-Aktie interessiert, sollte niemals ohne Limit ordern und den Depotanteil sinnvoll dosieren.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
MedNation
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
565360
DE0005653604
AG
12,17 Mio. €
27.06.1991
Foto: Magnific

