Gemessen am offiziellen Firmenjubiläum von 165 Jahren Ludwig Beck ist die Börsenhistorie des Edelkaufhauses am Münchner Marienplatz mit wenigen Tagen später dann 28 Jahren nur ein Klacks. Umso bemerkenswerter trotzdem, welche Veränderungen die jüngere Vergangenheit mit sich gebracht hat. Aus Investorensicht ist – neben den Auswirkungen der Corona-Phase und den vielen anderen Krisenherden auf der Welt – insbesondere der dreistufige Transformationsprozess seit 2009 auf der Aktionärsseite von großer Bedeutung. Dominierende Anteilseigner sind zurzeit CEO Christian Greiner, der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl sowie der stark im Immobiliensektor verankerte Alfons Doblinger. Verkürzt kann man wohl von einer stabilen Dreier-Allianz mit Familienbezug reden.
Auf den Streubesitz entfallen nur rund 15,5 Prozent der Aktien. Normalerweise braucht es in dieser Konstellation nicht zwingend eine Notiz im streng regulierten Prime-Standard-Segment der Deutschen Börse. Ein – deutlich günstigeres – Listing im Spezialfreiverkehr m:access der Börse München würde es wohl auch tun, zumal Ludwig Beck nicht gerade im Rampenlicht des Kapitalmarkts steht. Immerhin: Auf der digitalen Analystenkonferenz zur Vorlage des Geschäftsberichts 2025 auf der Airtime-Plattform waren 15 Teilnehmer eingewählt, was im Vergleich zu früheren Veranstaltungen dieser Art ein eher hoher Wert ist. Möglicherweise hat aber auch die Erholungsrally der Aktie vom Jahresbeginn für Interesse gesorgt, selbst wenn der langfristige Chartverlauf noch immer ernüchternd ist. Tatsächlich hat das Management von Ludwig Beck keine valide Erklärung dafür, was für den Hüpfer nach oben gesorgt hat.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
51,49
55,40
70,40
72,70
73,31
74,00
77,00
EBITDA1,2
4,33
12,99
11,27
9,94
10,21
10,18
11,80
EBITDA-Marge %3
8,41
23,45
16,01
13,67
13,93
13,76
15,33
EBIT1,4
-1,88
6,64
4,91
3,11
3,45
3,55
4,70
EBIT-Marge %5
-3,65
11,99
6,97
4,28
4,71
4,79
6,10
Jahresüberschuss1
-1,74
3,63
2,24
0,43
-2,87
0,12
1,10
Netto-Marge %6
-3,38
6,55
3,18
0,59
-3,92
0,16
1,43
Cashflow1,7
-3,50
10,24
6,88
5,76
6,87
8,87
9,60
Ergebnis je Aktie8
-0,47
0,98
0,60
0,12
-0,78
0,03
0,29
Dividende je Aktie8
0,00
0,00
0,00
0,15
0,00
0,00
0,00
Operativ war 2025 derweil das dritte Jahr in Folge mit einem EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) von etwas mehr als 3 Mio. Euro. „Da ist nicht so viel Luft bis zur Nulllinie“, räumt CFO Jens Schott ein. Unter dem Strich kommen die Münchner trotzdem mit einem Überschuss von 119.000 Euro aus dem Jahr. Zum Vergleich: 2024 hatte ein negativer Steuereffekt aus der Ausbuchung von latenten Steuern auf Verlustvorträge noch für einen Fehlbetrag von 2,87 Mio. Euro gesorgt. Dass Ludwig Beck trotz des überschaubaren Gewinns vor Steuern von 604.000 Euro für 2025 so vergleichsweise hohe Abgaben an den Fiskus leisten muss, hängt indes mit den Immobiliengesellschaften des Konzerns – allen voran der Stammimmobilie am Münchner Marienplatz – zusammen. Nun: Ohne dieses Filetstück, das nach einer nachlassbedingten Umschichtung zu 100 Prozent dem Ludwig Beck-Konzern zuzurechnen ist, wäre der Börsenwert des Unternehmens wohl kaum bei 65 Mio. Euro.
In der Bilanz wird die Immobilie am Marienplatz mit knapp 69 Mio. Euro – bei Grundschulden von 30 Mio. Euro – angesetzt. Der tatsächliche Wert des so bekannten Gebäudes dürfte indes deutlich höher sein. Insofern ist die Kaufhaus-Aktie immer auch eine Immobilien-Aktie. „Das Haus am Marienplatz steht top da. Da haben wir viel Geld investiert“, sagt Schott mit Blick auf die vielen Umbaumaßnahmen in den einzelnen Abteilungen. Der Ausblick für 2026 ist mit einem erneut avisierten Gewinn vor Steuern zwischen 0,5 und 1,9 Mio. Euro vorsichtig optimistisch. Doch die bekannten Belastungsfaktoren – von den Rabattschlachten im Onlinehandel bis hin zu innerstädtischen Verkehrsproblemen und den vielen globalen Unsicherheiten, die auch eine eher betuchte Kundschaft treffen – bleiben.
Raum für eine Wiederaufnahme der Dividendenzahlung sieht Finanzvorstand Schott vorerst nicht, Thesaurierung ist Trumpf: „Wir haben das Tal noch nicht durchschritten und müssen an die Zukunft denken.“ Insgesamt ist der Spezialwert nach Auffassung von boersengefluester.de sogar ein aussichtsreiches Langfrist-Investment. Die Immobilie in München spendet die nötige Substanz. Zudem gibt es noch die mit 3 Mio. Euro bewertete Immobilie in Hannover, die grundsätzlich sogar zur Disposition steht. Last but not least bleibt die Dauerhoffnung auf eine signifikante Verbesserung der Konsumstimmung – so schwierig es auch ist, momentan daran zu glauben.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Ludwig Beck
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
519990
DE0005199905
AG
65,40 Mio. €
18.05.1998
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Foto: Freepik
