CEO-Webcast mit Achim Plate – das sind 60 Minuten Druckbetankung in Sachen LAIQON. An Stoff mangelt es nicht. Immerhin hat Plate ein komplexes Refinanzierungspaket, die finanziellen Eckdaten für 2025 sowie Investor-Relations-Spezialthemen wie das für 2027 geplante Uplisting vom Scale-Segment in den gerade von institutionellen Investoren sehr viel mehr geschätzten Prime Standard auf der Agenda. Im Kern geht es aber um die Neuregelung auf der Passivseite der Bilanz. „Wir haben im Jahr 2026 einen Peak in den Finanzverbindlichkeiten“, sagt Plate und liefert damit die zentrale Begründung für das Maßnahmenbündel zur Konzernfinanzierung des in der Vermögensverwaltung tätigen Unternehmens.
So hat LAIQON in den vergangenen Jahren mehrere Firmenkäufe gestemmt, deren finale Kaufpreiszahlungen sich nun zeitlich bündeln. Insgesamt stehen rund 11,5 Mio. Euro zur Begleichung an, was zwar bilanziell eingeplant war, aber dennoch aktiv gemanagt werden muss. Die Antwort darauf ist ein Mix aus Barkapitalerhöhung, neuer Unternehmensanleihe und einem umfangreichen Debt-Equity-Swap. Ziel ist es, nicht nur Liquidität zu sichern, sondern vor allem das Fälligkeitsprofil der Verbindlichkeiten deutlich zu strecken. Wohl auch mit Blick auf den alles andere als erfreulich performenden Aktienkurs sagt Plate: „Der Kapitalmarkt macht sich anderthalb Jahre vorher Gedanken, wie wir zurückzahlen wollen.“ Genau diesen Druck will das Unternehmen mit der neuen Struktur entschärfen.
Sicher ist das aktuelle Marktumfeld mit dem Iran-Krieg nicht gerade ein ideales Timing für die geplanten Transaktionen, aber darauf kann LAIQON keine Rücksicht nehmen. „Kaufpreisverbindlichkeiten haben ein Datum und deshalb muss man dann mal zur Tat schreiten“, sagt Plate. Gleichzeitig wird ein erheblicher Teil der bestehenden Verschuldung aktiv reduziert. Über den Debt-Equity-Swap sollen rund 16 Mio. Euro aus den bisherigen Finanzverbindlichkeiten der beiden Wandelschuldverschreibungen 2023/27 und 2023/28 sowie der Anleihe 2025/30 herausgenommen werden. Teils durch Umwandlung in Eigenkapital, teils durch Überführung in eine neue, länger laufende Anleihe. Das Ergebnis ist eine deutlich entzerrte Fälligkeitsstruktur bis ins Jahr 2031, die dem Unternehmen operativ mehr Luft verschafft.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
27,74
26,12
21,58
30,75
31,00
34,88
53,00
EBITDA1,2
6,96
4,61
-9,95
-4,69
-3,82
-2,94
4,50
EBITDA-Marge %3
25,09
17,65
-46,11
-15,25
-12,32
-8,29
8,49
EBIT1,4
3,21
1,25
-14,66
-11,08
-10,31
-7,30
-2,10
EBIT-Marge %5
11,57
4,79
-67,93
-36,03
-33,26
-19,21
-3,96
Jahresüberschuss1
2,50
6,63
-10,54
-12,87
-7,96
-9,10
-3,60
Netto-Marge %6
9,01
25,38
-48,84
-41,85
-25,68
-23,95
-6,79
Cashflow1,7
-0,95
19,96
-2,77
-10,74
-3,31
-1,50
3,00
Ergebnis je Aktie8
-0,05
0,39
-0,67
-0,51
-0,25
-0,35
-0,14
Dividende je Aktie8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,05
Ebenfalls wichtig: An der perspektivischen Aktienstückzahl ändert sich durch das Paket nichts. Die potenzielle Verwässerung kommt jetzt nur via Sachkapitalerhöhung – und nicht durch die Ausübung der beiden Wandler – zustande. Während die Finanzierungsseite damit klar adressiert ist, richtet sich der Blick zunehmend auf das operative Geschäft – und hier zeigt sich ein differenziertes Bild. Die vorläufigen Zahlen für 2025 weisen bei Umsätzen von 34,88 Mio. Euro ein negatives EBITDA von 2,94 Mio. Euro aus, das jedoch stark von Sondereffekten geprägt ist. Integrationskosten aus der jüngsten Akquisition sowie Restrukturierungsaufwendungen belasten das Ergebnis mit insgesamt rund 2,5 Mio. Euro. Auf Pro-forma-Basis, also unter Annahme einer ganzjährigen Konsolidierung des Fondsportfolios von MainFirst, wäre das EBITDA mit rund 0,7 Mio. Euro bereits leicht positiv. Parallel dazu arbeitet das Unternehmen intensiv an der Kostenstruktur.
Ziel ist es, die Cost-Income-Ratio bis 2027 auf etwa 70 Prozent zu senken. Dabei setzt LAIQON auf eine Kombination aus organisatorischen Anpassungen, technologischem Fortschritt und strukturellen Vereinfachungen. Besonders der Einsatz von KI spielt dabei eine zentrale Rolle, etwa bei der Automatisierung von Backoffice-Prozessen. Gleichzeitig werden Gesellschaften zusammengeführt und externe Kostenpositionen überprüft. Strategisch zieht Plate – wie bereits HIER gegenüber boersengefluester.de auf den Hamburger Investorentagen kommuniziert – zudem eine klare Linie unter die bisherige Expansionsphase.
Weitere größere Akquisitionen sind kurzfristig nicht geplant. „Wir werden uns jetzt erst mal auf das konzentrieren, was organisch da ist“, sagt Plathe. Diese Aussage ist aus Investorensicht auch deshalb so bedeutsam, da sie die Grundlage für nachhaltige Profitabilität legt und somit auch Basis für die jetzt nochmals bestätigten Dividendenziele von LAIQON ist. Den Geschäftsbericht für 2025 wird das Unternehmen vermutlich in den kommenden 10 bis 12 Tagen veröffentlichen. Ursprünglich geplant war der 31. März 2026. Losgelöst davon: Insgesamt sind die geplanten Kapitalschritte eher gute Nachrichten für den Titel.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
LAIQON
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
A12UP2
DE000A12UP29
AG
90,90 Mio. €
28.10.2005
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Foto: Freepik
