KAP-CEO Ralph Rumberg sagt es gleich zu Beginn in seinem Vorwort zum Zwischenbericht für die ersten sechs Monate 2026: „Wir müssen die Realität anerkennen. Die KAP AG befindet sich in einer Restrukturierungssituation.“ Es geht für die stark im Automotivesektor verwurzelte Beteiligungsgesellschaft längst um deutlich mehr, als einfach nur auf einen Turnaround zu setzen. Vielmehr gibt es keinen Bereich mehr, der nicht grundlegend zur Disposition steht, um den Unternehmensverbund wieder flottzukriegen. Eine krasse Entwicklung, schließlich ist es noch gar nicht so lange her, dass KAP mit dem im Frühjahr 2024 kommunizierten Dividendenausfall für 2023 erstmals einräumen musste, wie schwierig das Umfeld geworden ist. Keine Frage: Damals zeichnet sich die Gemengelage in Form von schwachen Umsätzen und Ergebnissen bereits ab. Aber irgendwie überlagerte die Hoffnung auf eine rasche Erholung der Wirtschaft dann doch die Einschätzung der operativen Perspektiven.
Mit Blick auf den – gemessen an früheren Höhen – um mehr als 90 Prozent abgestürzten Aktienkurs gleicht der Schaden längst einem annähernden Totalverlust. Für Investoren, die den Titel noch im Depot haben, gibt es aber zumindest einige Punkte, die dafürsprechen, den Verlust jetzt nicht zu realisieren: So hat die Frankfurter Investmentgesellschaft Tempus Capital einen Anteil von 29,0 Prozent an KAP gemeldet. Die 2.252.593 Stücke kamen vom bisherigen Ankerinvestor Carlyle Group, der seinen Bestand damit auf 16,5 Prozent reduziert. Interessantes Detail dabei ist, dass Carlyle wirtschaftlich auch an den verkauften Stücken beteiligt bleibt. Was genau sich hinter dieser Konstruktion verbirgt, wissen derzeit wohl nur Carlyle und Tempus. Beinahe noch bemerkenswerter ist der Hinweis von KAP-Vorstand Rumberg im H1-Report, dass die Gesellschaft den Verkauf des Segments „Flexible Films“ prüft.
Nun sind solche Transaktionen für KAP nicht gänzlich ungewöhnlich. Im April 2023 trennte sich der Vorstand bereits von Teilen des Segments „Flexible Films“. Tatsächlich ist der im Konzernverbund verbliebene Bereich – allen voran die auf Folien für Swimmingpools spezialisierte Haogenplast aus Israel – so etwas wie die Ertragsperle im KAP-Portfolio, selbst wenn auch hier die Profitabilität momentan sinkt. Doch KAP hat keine andere Wahl und muss Tempo machen. Immerhin geht es um die im Restrukturierungskonzept verankerte hohe Sondertilgung für den Konsortialkredit, um den Verschuldungsgrad „erheblich zu reduzieren“. Bereits eingeleitete Maßnahmen, wie eine Sale-and-Lease-back-Vereinbarung der Produktionskapazitäten von Mehler Engineered Products in Landim in der Nähe von Famalicão (Portugal), reichen da nicht aus.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
322,66
345,62
433,47
285,60
252,50
241,37
232,00
EBITDA1,2
34,14
56,58
43,51
56,63
16,34
12,41
13,00
EBITDA-Marge %3
10,58
16,37
10,04
19,83
6,47
5,14
5,60
EBIT1,4
4,18
31,43
6,63
3,51
-26,38
-58,48
-1,00
EBIT-Marge %5
1,30
9,09
1,53
1,23
-10,45
-24,23
-0,43
Jahresüberschuss1
-2,68
39,86
-1,69
-0,11
-45,65
-67,48
-8,00
Netto-Marge %6
-0,83
11,53
-0,39
-0,04
-18,08
-27,96
-3,45
Cashflow1,7
55,21
8,31
16,89
18,52
16,75
-5,98
8,50
Ergebnis je Aktie8
-0,35
5,14
-0,22
-0,02
-5,88
-8,69
-1,03
Dividende je Aktie8
1,75
1,00
1,50
0,00
0,00
0,00
0,00
Zum Halbjahr 2026 beläuft sich die Finanzverschuldung (ohne die Pensionsrückstellungen von knapp 8 Mio. Euro) auf 106,4 Mio. Euro – bei liquiden Mitteln von 21,7 Mio. Euro. Ebenfalls gut zu wissen: Von den gesamten zinstragenden Verbindlichkeiten sind nach dem im Frühjahr 2026 auf die Schiene gesetzten Finanzierungskonzept derzeit knapp 82 Prozent in der Kategorie „Langfristig“ eingestuft. Derweil laufen auf den Ebenen Vertrieb, Kapazitäten, Werkseffizienz und Holdingstrukturen weiter umfangreiche Optimierungsmaßnahmen, die im laufenden Jahr für einen Ergebniseffekt von 15 bis 18 Mio. Euro sorgen sollen.
Rückenwind von den Märkten bekommt KAP dabei unverändert nicht. „Wir sind wie erwartet schwach in das Geschäftsjahr 2026 gestartet“, räumt CEO Rumberg ein. So fielen die Erlöse in den ersten sechs Monaten 2026 um 4,6 Prozent auf 133,20 Mio. Euro. Das um Sondereffekte adjustierte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (normalisiertes EBITDA) kam leicht überproportional dazu um 10,6 Prozent auf 13,50 Mio. Euro zurück. Bereinigungen ausgeklammert, fiel das EBITDA zum Halbjahr von 11,38 auf 6,91 Mio. Euro zurück. Unter dem Strich steht ein Fehlbetrag von 5,07 Mio. Euro – nach einem Minus von 9,54 Mio. Euro in der vergleichbaren Vorjahresperiode. Der operative Cashflow drehte von plus 2,95 Mio. auf minus 6,13 Mio. Euro.
Für das Gesamtjahr bestätigt der Vorstand zwar grundsätzlich die Prognosen für Umsatz (230,0 bis 250,0 Mio. Euro) und normalisiertes EBITDA (19,0 bis 23,0 Mio. Euro). Für beide Kennzahlen hält er nun jedoch das untere Ende der avisierten Bandbreiten für die wahrscheinlichere Variante. Das alles korrespondiert mit einem grundsätzlich sehr niedrigeren Börsenwert von zurzeit gut 14,6 Mio. Euro – bei einer allerdings auch üppigen Bankverschuldung. Entsprechend wichtig für den Aktienkurs ist es, dass KAP von genau dieser Bürde möglichst schnell viel abtragen kann. Es handelt sich aber weiterhin um ein Hochrisikoinvestment.
INVESTOR-INFORMATIONEN
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KAP
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
620840
DE0006208408
AG
14,64 Mio. €
15.05.1987
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Foto: Magnific

