Die gute Nachricht aus dem frisch veröffentlichten Geschäftsbericht 2025 von KAP ist zunächst einmal, dass es ihn überhaupt gibt – und zwar versehen mit einem uneingeschränkten Testat durch die Wirtschaftsprüfer von Forvis Mazars. Ohne die auf der Zielgeraden erfolgte Einigung mit den finanzierenden Banken über ein neues Kreditvolumen von 96 Mio. Euro bis Ende März 2029 hätte es wohl schlichtweg an einer positiven Fortführungsprognose für die stark im Automotivebereich verankerte Beteiligungsgesellschaft gefehlt. 100 Prozent sicher ist KAP aber auch trotz der Einigung mit den Banken nicht. So räumt der KAP-Vorstand ein, dass – trotz der vielen bereits umgesetzten Restrukturierungsmaßnahmen – noch immer „großer Handlungsbedarf“ besteht. Und die Wirtschaftsprüfer betonen: „Die Finanzierung dient temporär der Sanierung der KAP AG.“
So ist unter anderem vereinbart, dass aus dem Verkauf von Vermögenswerten eine Pflichtsondertilgung zu leisten ist. Ein Balanceakt für das Unternehmen aus Fulda. Schließlich würde die Veräußerung von Tafelsilber das ohnehin schwierige Geschäft nochmals schwächen. Und für verlustreiche Aktivitäten werden sich kaum markante Erlöse erzielen lassen. Ein konkreter Zeitplan hierfür findet sich allerdings nicht im Geschäftsbericht. Trotz dieser schwierigen Gemengelage ist Vorstandssprecher Marten Julius zuversichtlich, KAP wieder auf einen „wirtschaftlich erfolgreichen Kurs“ zu führen. Zunächst einmal haben insbesondere die Sonderabschreibungen von 50,9 Mio. Euro auf die Firmenwerte der beiden Segmente Surface Technologies (44,2 Mio. Euro) und Engineered Products (6,7 Mio. Euro) die Bilanz kräftig geschwächt und das Eigenkapital zum Jahresende 2025 um rund 60 Prozent auf 47,06 Mio. Euro gedrückt. Das entspricht einem Buchwert je Aktie von 6,06 Euro (Vorjahr: 15,21 Euro).
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
322,66
345,62
433,47
285,60
252,50
241,37
240,00
EBITDA1,2
34,14
56,58
43,51
56,63
16,34
12,41
20,00
EBITDA-Marge %3
10,58
16,37
10,04
19,83
6,47
5,14
8,33
EBIT1,4
4,18
31,43
6,63
3,51
-26,38
-58,48
-1,00
EBIT-Marge %5
1,30
9,09
1,53
1,23
-10,45
-24,23
-0,42
Jahresüberschuss1
-2,68
39,86
-1,69
-0,11
-45,65
-67,48
-10,00
Netto-Marge %6
-0,83
11,53
-0,39
-0,04
-18,08
-27,96
4,17
Cashflow1,7
55,21
8,31
16,89
18,52
16,75
-5,98
8,50
Ergebnis je Aktie8
-0,35
5,14
-0,22
-0,02
-5,88
-8,69
-1,28
Dividende je Aktie8
1,75
1,00
1,50
0,00
0,00
0,00
0,00
Angesichts eines Aktienkurses von zurzeit weniger als 1,95 Euro mag das zwar auf eine potenziell kräftige Unterbewertung hindeuten. Andererseits ist die Zukunft eben sehr ungewiss und die Vergangenheit hat gezeigt, wie flüchtig Eigenkapital bei Goodwillabschreibungen ist. Aufpassen sollten Investoren auch mit Blick auf den vordergründig sehr niedrig wirkenden Börsenwert von nur knapp 15 Mio. Euro. Inklusive der Netto-Finanzverschuldung von 71,33 Mio. Euro beträgt der eigentliche Unternehmenswert (Enterprise Value – kurz: EV) mehr als 86 Mio. Euro – und das sind die gut 8,2 Mio. Euro Pensionsrückstellungen nicht inkludiert. Jedenfalls sind Anleger gut beraten, den offiziellen Ausblick für 2026 in Relation zum Enterprise Value zu sehen.
So stellt Marten Julius bei Erlösen zwischen 230 und 250 Mio. Euro ein um Sondereffekte normalisiertes EBITDA (Ergebnis Zinsen, Steuern und Abschreibungen) zwischen 19 und 23 Mio. Euro – wesentlich getragen durch das Segment Flexible Films – in Aussicht. Zum Vergleich: Für 2025 liegt diese für KAP bedeutende Steuerungsgröße bei 20,9 Mio. Euro. Insgesamt ist 2026 damit als Jahr der Stabilisierung einzuordnen. Konjunktureller Rückenwind ist zurzeit ohnehin Wunschdenken. Unterstellt, dass es im laufenden Jahr keine außerordentlichen Abschreibungen mehr gibt – was eine eher mutige Annahme ist – dürfte KAP auf Ebene des Betriebsergebnisses (EBIT) im Bereich der Nulllinie agieren. Unter dem Strich sind für 2026 aber weiter deutlich rote Zahlen realistisch – nach einem Fehlbetrag von 67,48 Mio. Euro für 2025.
Einen schnellen Turnaround wird es also eher nicht geben. Abzuwarten bleibt, welche Effekte mögliche Verkäufe aus dem Portfolio haben werden. Insgesamt eine unverändert herausfordernde Ausgangslage. Verglichen mit dem Stand vor ein paar Wochen gibt es aber eben doch wichtige positive Entwicklungen. Wer den Titel im Depot hat, sollte daher engagiert bleiben. Wie schnell und dynamisch eine Erleichterungsrally bei fundamentalen Fortschritten im Chart der KAP-Aktie aussehen kann, haben Investoren bei der Einigung mit den Banken (HIER) im April gesehen. Aber klar: Der Titel bleibt ein hochriskantes Investment.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
KAP
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
620840
DE0006208408
AG
14,95 Mio. €
15.05.1987
Beoabchten
Foto: Freepik
