So detailliert die Meldung der Beteiligungsgesellschaft KAP zu den vorläufigen Zahlen für 2025 und den Entwicklungen innerhalb der einzelnen Segmente auch ist. Der für Aktionäre entscheidende Punkt bleibt offen: Welchen Ausgang nehmen die Ende 2025 aufgenommenen Arbeiten an dem Sanierungsgutachten nach IDW-S6-Standard? Konkret geht es darum, ob es für KAP eine positive Fortführungsprognose gibt und wie die Sanierung umgesetzt werden kann. „Unser Ziel ist es, die KAP AG wieder auf einen belastbaren und zukunftsfähigen Kurs zu führen“, sagt Vorstandssprecher Marten Julius. Ob die Banken am Ende mitspielen, ist schwer abzuschätzen. Zum Halbjahr 2025 standen allein knapp 69 Mio. Euro an kurzfristigen Finanzverbindlichkeiten in der Bilanz. Die Verhandlungen laufen auf Hochtouren. Marten Julius berichtet von „konstruktiven Refinanzierungsgesprächen“.
Auf der Habenseite stehen werthaltige Assets wie der im Kibbutz Haogen (Israel) ansässige Swimmingpool-Folienhersteller HaogenPlast Group. Andererseits dürften die Banken das schwierige Thema Automotive so gut es geht meiden wollen. Das Timing der Verhandlungen ist angesichts der aktuellen militärischen Eskalation zwischen Iran und Israel und der daraus resultierenden globalen Unsicherheiten alles andere als ideal. Aber so etwas lässt sich nun mal nicht aussuchen. Nun: Bis spätestens 20. April 2026, dann läuft der 2022 aufgesetzte Konsortialkredit aus, sollte es eine Entscheidung geben. Klar ist aber schon jetzt, dass es signifikante Wertberichtigungen auf den relevanten Nutzungswert des stark von der Automotive-Konjunktur abhängigen Segments „Surface Technologies“ (Beschichtungen) im unteren bis mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag geben wird.
Dabei handelt es sich zwar nicht um einen liquiditätswirksamen Vorgang. Das Eigenkapital als korrespondierender Puffer wird aber trotzdem entsprechend belastet. Zur Einordnung: Ende 2024 wurde das Segment „Surface Technologies“ bereits um 18,3 Mio. Euro auf 61,4 Mio. Euro wertberichtigt. Vom Restwert steht nun womöglich nochmals etwa die Hälfte im Feuer. Losgelöst davon liegt der Konzernumsatz für 2025 mit 241,4 Mio. Euro im Rahmen der zuletzt auf das untere Ende der Bandbreite von 245,0 bis 265,0 Mio. Euro angepassten Erwartungen. Gleiches gilt für das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen – KAP spricht in diesem Zusammenhang vom „normalisierten EBITDA“ – von 20,0 Mio. Euro. Hier hatte der Vorstand zuletzt ebenfalls den unteren Bereich der Spanne zwischen 19,0 und 23,0 Mio. Euro prognostiziert.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
322,66
345,62
433,47
285,60
252,50
241,40
0,00
EBITDA1,2
34,14
56,58
43,51
56,63
16,34
14,00
0,00
EBITDA-Marge %3
10,58
16,37
10,04
19,83
6,47
5,67
0,00
EBIT1,4
4,18
31,43
6,63
3,51
-26,38
-7,00
0,00
EBIT-Marge %5
1,30
9,09
1,53
1,23
-10,45
-2,83
0,00
Jahresüberschuss1
-2,68
39,86
-1,69
-0,11
-45,65
-40,00
0,00
Netto-Marge %6
-0,83
11,53
-0,39
-0,04
-18,08
-6,88
0,00
Cashflow1,7
55,21
8,31
16,89
18,52
16,75
11,00
0,00
Ergebnis je Aktie8
-0,35
5,14
-0,22
-0,02
-5,88
-5,15
-0,12
Dividende je Aktie8
1,75
1,00
1,50
0,00
0,00
0,00
0,00
Zum Halbjahr 2025 mündete ein normalisiertes EBITDA von 15,1 Mio. Euro in einem Verlust nach Steuern von 9,5 Mio. Euro. Unter Berücksichtigung der zusätzlichen Firmenwertabschreibungen wird der Fehlbetrag nach Schätzungen von boersengefluester.de vermutlich in Richtung des für 2024 berichteten Fehlbetrags von 45,7 Mio. Euro gehen. Klarheit diesbezüglich bringt der für den 28. April 2026 angesetzte Geschäftsbericht 2025. Voraussetzung für die tatsächliche Veröffentlichung des Jahresberichts – inklusive eines uneingeschränkten Testats durch den Wirtschaftsprüfer Forvis Mazars – ist indes eine Einigung mit den kreditgebenden Banken. Eine knifflige Gemengelage. Sollte es zu einer Einigung kommen, dürfte der arg gedrückte Aktienkurs von KAP in die Höhe schnellen. Falls nicht, rauscht die Notiz nochmals tiefer in den Keller.
Für Anleger, die ohnehin schon 70 oder 80 Prozent hinten liegen, wäre das negative Szenario für die Gesamtperformance zwar beinahe schon egal. Daher dürfte es am cleversten sein, den Ausgang der Verhandlungen abzuwarten. Wie KAP in einer möglichen Neuaufstellung aussehen wird, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt allerdings auch eine Blackbox. Der Börsenwert von gut 14 Mio. Euro ist dabei nicht das Problem. Auf dem Kurs lasten vielmehr die Netto-Finanzverbindlichkeiten von rund 68 Mio. Euro (inklusive Pensionsrückstellungen). Auf Hilfe durch den Großaktionär Carlyle Group (Anteil: 45,5 Prozent) sollten Investoren nicht unbedingt hoffen – die wäre ansonsten längst gekommen. Ein absoluter Hotstock also. Wer den Titel nicht im Depot hat, wartet besser an der Außenlinie.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
KAP
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
620840
DE0006208408
AG
14,14 Mio. €
15.05.1987
Beoabchten
Foto: Freepik
