Egal, wo man hinhört auf den Hamburger Investorentagen (HIT) im Februar 2026: Das Telematikunternehmen IVU Traffic Technologies finden irgendwie alle gut. Jetzt gar nicht mal so sehr im Sinne eines heißen Aktientipps. Dafür läuft der Chart auch zu sehr mit Seitwärtstendenz. Vielmehr gehört IVU in der Nebenwerteszene zu der Kategorie von Investments, die man sich einfach mal ins Depot legen und dann Zeit geben sollte. Dabei scheint sich der Spielraum für die EBIT-Marge zwischen 13 und 14 Prozent eingependelt zu haben. Vielleicht geht auch die 15 Prozent, mehr dann aber wohl eher nicht. Doch mit den kontinuierlich steigenden Umsätzen wachsen eben auch die operativen Gewinne – und das seit nun immerhin neun Jahren in Folge.
„Wir tun einiges dafür, dass wir diese nachhaltige Erfolgsstory aufrechterhalten können“, sagt CEO Martin Müller-Elschner bei seiner Präsentation auf dem HIT. Dazu gehört unter anderem auch der kontinuierliche Anstieg des Anteils der wiederkehrenden Erlöse auf mittlerweile vermutlich rund 45 Prozent – 2021 lag diese Quote noch bei 36 Prozent. Die wichtigste Kundengruppe für IVU sind dabei klar die Eisenbahngesellschaften. Die Logik dahinter ist einleuchtend: Für die Bahnbetreiber lassen sich mit Hilfe der Softwarelösungen von IVU schon allein wegen der – im Vergleich zum Bus- und Nahverkehr – sehr viel höheren Fahrzeugkosten ungleich größere Renditepotenziale heben.
Das spiegelt sich dann entsprechend in den Lizenzerlösen wider. Zudem sind die großen Eisenbahngesellschaften sehr viel verzweigter aufgestellt als der ÖPNV. „Wir sind große Fans der internationalen Aktivitäten der Deutschen Bahn“, sagt Martin Müller-Elschner. Dabei decken die einzelnen Softwaremodule die gesamte Bandbreite ab – von der Fahrplanung bis hin zum Personalmanagement. Interessant in diesem Kontext, dass Müller-Elschner den Bereich Ticketverkauf und -kontrolle als nicht übermäßig zukunftsträchtig für IVU einstuft. Ein klares Unterscheidungskriterium zum Karlsruher Wettbewerber Init, der hier stark positioniert ist.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
92,03
102,88
113,23
122,49
133,67
143,00
157,00
EBITDA1,2
15,30
16,45
18,70
20,31
21,69
23,60
25,35
EBITDA-Marge %3
16,63
15,99
16,52
16,58
16,23
16,50
16,15
EBIT1,4
12,78
13,92
14,85
15,77
16,82
18,00
19,70
EBIT-Marge %5
13,89
13,53
13,12
12,88
12,58
12,59
12,55
Jahresüberschuss1
10,09
9,32
10,13
11,38
12,04
12,95
13,60
Netto-Marge %6
10,96
9,06
8,95
9,29
9,01
9,06
8,66
Cashflow1,7
30,76
19,08
4,47
11,91
6,74
8,60
9,70
Ergebnis je Aktie8
0,57
0,53
0,58
0,65
0,69
0,74
0,77
Dividende je Aktie8
0,20
0,22
0,24
0,26
0,28
0,28
0,30
Nun: Die Anforderungen der Kunden befinden sich in einem steten Wandel. An Bedeutung gewinnen könnten etwa KI-Übersetzungstools, die Anweisungen aus der Zentrale für Bus- und Zugfahrer mit limitierten Deutschkenntnissen in die jeweilige Muttersprache umwandeln. Das Thema Globalisierung gewinnt aber auch aus der Aktiensicht zunehmend Bedeutung für IVU. „Es fragen mehr internationale Investoren bei uns an“, verrät Martin Müller-Elschner bei seiner Präsentation auf dem HIT. So hat sich im vergangenen Sommer etwa die aus Lissabon stammende Oxy Capital mit mehr als drei Prozent engagiert. Ende Dezember 2024 hatte der texanische Software-Investor MTCM das rund acht Prozent umfassende Aktienpaket von Daimler Buses außerbörslich übernommen.
Nächster wichtiger Termin für Anleger ist derweil die für den 26. März 2026 angesetzte Veröffentlichung des Geschäftsberichts 2025. Der Jahresreport ist schon allein deswegen immer eine spannende Geschichte, weil sich Umsatz und Ergebnis bei IVU traditionell immer erst im Schlussquartal entscheiden. Die bisherige Prognose für 2025 sieht bei Erlösen von mehr als 140 Mio. Euro ein EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) von rund 18 Mio. Euro vor. Nach neun Monaten waren hiervon 6,53 Mio. Euro eingefahren – bei Erlösen von 101,71 Mio. Euro. Die Analysten von Montega setzen das Kursziel für die IVU-Aktie derzeit bei 25 Euro an. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von gut 20 Prozent. Boersengefluester.de ist überzeugt: Langfristig sollte der Titel damit noch längst nicht ausgereizt sein.
Der Börsenwert von zurzeit 365 Mio. Euro ist dabei auch für die meisten Privatanleger ausreichend groß im Sinne eines einigermaßen liquiden Börsenhandels. Und auch die aktuelle Debatte um die Rolle von KI als potenzielle Bedrohung für Softwareaktien sehen wir bezogen auf IVU mit dem Einsatz in regelmäßig kritischen Infrastrukturen als nicht wirklich relevant an. Vielmehr sind die Berliner hier eher in der gestalterischen Rolle. „Wir haben uns intern sehr KI-affin aufgestellt“, sagt CEO Martin Müller-Elschner im überdurchschnittlich gut gefüllten Vortragsraum auf den Hamburger Investorentagen. Der Titel hat eben viele Fans.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
IVU Traffic
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
744850
DE0007448508
AG
365,01 Mio. €
07.07.2000
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