Normalerweise ist die Einordnung „Übergangsjahr“ eine Art Stimmungskiller für die kurzfristige Performance einer Aktie. Und tatsächlich hängt der Chart von IBU-tec advanced materials seit einigen Monaten in einem ausgeprägten Seitwärtstrend fest. Zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass die Notiz des auf Batteriematerialien für die Elektromobilität ausgerichteten Spezialchemie-Unternehmens im Herbst 2025 scharf nach oben schoss. Auslöser waren damals die frisch unterzeichneten Verträge mit der Volkswagen-Tochter PowerCo zum Aufbau von markanten Kapazitäten für die Herstellung von LFP-Kathodenmaterial. Spätestens ab 2028 soll die Produktion starten. „Die Verträge sind absolut wegweisend für uns“, betont IBU-tec-CEO Jörg Leinenbach jetzt noch einmal auf einer Investorenkonferenz zur Vorstellung der aktualisierten Mittelfristprognose bis 2030.
Jetzt gilt es jedoch, überhaupt erst einmal die baulichen und technischen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass das Batteriematerial in den gewünschten Mengen und der besprochenen Qualität hergestellt werden kann. Wichtig: Dafür gibt es liquiditätswirksame Meilensteinzahlungen in zweistelliger Millionen-Euro-Höhe von PowerCo. Fakt ist aber auch, dass die Mammutaufgabe erst einmal die bestehenden Ressourcen bindet und 2026 daher zu einem Übergangsjahr wird, wie Leinenbach einräumt. Konkret dürften die Konzernerlöse im laufenden Jahr von 44,3 Mio. Euro für 2025 auf eine Bandbreite von 37 bis 39 Mio. Euro sinken. Das EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) soll dabei zwischen 2,6 und 3,9 Mio. Euro liegen – nach 4,6 Mio. Euro für 2025. Das entspricht einem kalkulierten Rückgang der EBITDA-Marge von zuletzt 10,4 Prozent auf eine Spanne zwischen 7,0 und 10,0 Prozent. Dabei kommen die Einbußen aus dem Batteriengeschäft, während die restlichen Chemie-Bereiche im Wesentlichen seitwärts laufen.
„Wir konzentrieren uns jetzt voll auf die Mega-Investition“, sagt CPO und Gründer Ulrich Weitz. Im Gegenzug bietet Weitz den Investoren bis 2030 die Aussicht auf Erlöse von mindestens 120 bis 140 Mio. Euro – bei einer EBITDA-Marge zwischen 13 und 15 Prozent. In absoluten Zahlen entspricht das einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von knapp 16 bis 21 Mio. Euro. Zum Vergleich: Der aktuelle Börsenwert von IBU-tec beträgt bei Kursen von gut 18 Euro gerade einmal knapp 87 Mio. Euro. Investoren, die sich schon länger mit dem im Frankfurter Scale-Segment notierten Unternehmen beschäftigen, werden allerdings auch wissen, dass IBU-tec in früheren Präsentationen EBITDA-Margen nördlich von 20 Prozent für ein realistisches Szenario hielt. Davon hat sich das Management aufgrund der Marktmacht chinesischer Anbieter und dem damit einhergehenden Druck auf die Preise allerdings verabschiedet.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
32,96
44,09
53,94
48,23
50,61
44,30
38,00
EBITDA1,2
6,98
5,53
6,69
2,96
1,02
4,60
3,25
EBITDA-Marge %3
21,18
12,54
12,40
6,14
2,02
10,38
8,55
EBIT1,4
2,08
0,94
1,94
-1,79
-3,75
0,40
0,00
EBIT-Marge %5
6,31
2,13
3,60
-3,71
-7,41
0,90
0,00
Jahresüberschuss1
1,00
-0,24
1,29
-2,49
-5,31
-0,28
0,00
Netto-Marge %6
3,03
-0,54
2,39
-5,16
-10,49
-0,63
0,00
Cashflow1,7
4,47
-1,13
-3,27
2,41
9,32
2,50
0,00
Ergebnis je Aktie8
0,25
-0,05
0,27
-0,52
-1,12
-0,06
0,15
Dividende je Aktie8
0,00
0,00
0,04
0,00
0,00
0,00
0,00
Gut zu wissen ist allerdings auch, dass die Verträge mit PowerCo nicht exklusiv sind. IBU-tec hat also die Möglichkeit, ähnliche Deals auch mit anderen Unternehmen abzuschließen. In den aktuellen Planungen bis 2030 sind solche Optionen jedoch nicht berücksichtigt. Momentan wird das Management freilich auch alles erst einmal daran setzen, die anstehenden Aufgaben mit PowerCo zu bewältigen. Eine kapitalmäßige Beteiligung der Volkswagen-Tochter an IBU-tec advanced materials sieht Ulrich Weitz derzeit übrigens nicht: „Es handelt sich um eine reine Zuliefererbeziehung." Keine sinnvolle Option ist es für das Management zudem, sich perspektivisch eventuell von den traditionellen Chemie-Aktivitäten zu trennen und IBU-tec als puren Battery-Player aufzustellen. Gegen solche Überlegungen spricht – neben der Risikodiversifizierung – insbesondere der Umstand, dass die Chemie sowie das Servicegeschäft für IBU-tec stets auch Innovationsschmieden waren.
Die Analysten von Montega haben das Kursziel zuletzt auf 25 Euro heraufgesetzt. Potenzial ist auf dem aktuellen Niveau also ausreichend vorhanden. Und ganz ehrlich: Boersengefluester.de verfolgt die Entwicklung von IBU-tec nun bereits seit dem IPO Ende März 2017 und hat die ewig lange Hängepartie um den Durchbruch in der Batterietechnik in vielen Präsentationen live mitbekommen. Fakt ist: So interessant wie derzeit war die IBU-tec-Story wohl nie zuvor. Das inkludiert natürlich auch mögliche Unwägbarkeiten beim Aufbau der Kapazitäten für PowerCo. Aber so funktioniert nun mal Wirtschaft. Entsprechend ist die IBU-tec-Aktie trotz der überdurchschnittlich spannenden Rahmenbedingungen nur für risikobereite Investoren geeignet.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
IBU-tec advanced materials
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
A0XYHT
DE000A0XYHT5
AG
86,69 Mio. €
30.03.2017
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Foto: Freepik
