Intern heißt das Projekt wenig prätentiös „15kt-Anlage“. Tatsächlich verbirgt sich hinter dem Kürzel das bei Weitem bedeutendste Vorhaben in der Firmenhistorie von IBU-tec advanced materials – nämlich der Bau einer Produktionsanlage zur Herstellung von LFP-Kathodenmaterial für den Einsatz in der Elektromobilität mit einer Kapazität von 15.000 Tonnen. Kein Wunder, dass zum Richtfest für den neuen Sprühturm – einem der wesentlichen Komponenten der Anlage – am Standort Bitterfeld-Wolfen sogar Sven Schulze (CDU), der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, mit einem Tross von rund 15 Mitarbeitern vor Ort war. Immerhin ist die neue LPF-Anlage von IBU-tec auch für das Land ein bedeutendes industriepolitisches Signal. Insgesamt waren mehr als 130 Leute bei strahlendem Sonnenschein vor Ort – boersengefluester.de inklusive.
So haben CEO Jörg Leinenbach sowie Gründer und Produktvorstand Ulrich Weitz die Gelegenheit für eine Art Kapitalmarkttag im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen genutzt. Vorangegangen waren jahrelange intensive Verhandlungen mit der Volkswagen-Tochter PowerCo, die sich die Kapazitäten für die kommenden 10 Jahre gesichert hat und zudem die Finanzierung des Werks sicherstellt. Wie die Vertragsdetails genau aussehen, ist ein fast kleines Staatsgeheimnis. „Zu den Begrifflichkeiten können wir nichts sagen“, räumt Leinenbach ein. Letztlich werden Investoren die Fortschritte beim Bau der Anlage sowie die damit ausgelösten Meilensteinzahlungen eher in der Bilanz als in der Gewinn- und Verlustrechnung sehen. Es handelt sich also um keine klassische Finanzierung. Entscheidend ist aber, dass IBU-tec das so bedeutsame Projekt ohne irgendeine Form der externen Kapitalaufnahme über die Börse durchziehen kann. Boersengefluester.de ist fest davon überzeugt, dass gerade dieser Punkt bei vielen Investoren noch nicht durchgedrungen ist – sonst müsste der Aktienkurs eigentlich höher stehen.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
32,96
44,09
53,94
48,23
50,61
44,31
38,50
EBITDA1,2
6,98
5,53
6,69
2,96
1,02
4,63
3,15
EBITDA-Marge %3
21,18
12,54
12,40
6,14
2,02
10,46
8,18
EBIT1,4
2,08
0,94
1,94
-1,79
-3,75
0,03
-1,75
EBIT-Marge %5
6,31
2,13
3,60
-3,71
-7,41
0,06
-4,55
Jahresüberschuss1
1,00
-0,24
1,29
-2,49
-5,31
0,01
-2,30
Netto-Marge %6
3,03
-0,54
2,39
-5,16
-10,49
0,01
-5,97
Cashflow1,7
4,47
-1,13
-3,27
2,41
9,32
14,48
3,70
Ergebnis je Aktie8
0,25
-0,05
0,27
-0,52
-1,12
0,00
-0,48
Dividende je Aktie8
0,00
0,00
0,04
0,00
0,00
0,12
0,00
Mit der Inbetriebnahme ab 2028 ist es jedenfalls endlich möglich, entsprechendes Batteriematerial in Europa im industriellen Umfang herzustellen. Dabei sind die Kapazitäten zunächst einmal für PowerCo reserviert, es gibt jedoch keinen exklusiven Abnahmevertrag. Ein Punkt, der auf künftigen Investorenveranstaltungen bestimmt noch häufiger hinterfragt wird. So ist IBU-tec durch diese Konstruktion einerseits auch offen für andere Partner. Zumindest auf dem Papier besteht aber auch ein Abnahmerisiko. „Für uns ist es das oberste Ziel, diese Anlage zu bauen. Damit schaffen wir Märkte“, sagt Weitz. Bislang sind schließlich alle großvolumigen Anfragen stets daran gescheitert, dass es eben noch keine Produktionskapazitäten gab. Dieser Knoten wird durch den Deal PowerCo jetzt durchschlagen. Bis 2030 will die Gesellschaft auf Konzernerlöse zwischen 120 und 140 Mio. Euro kommen und daraus EBITDA-Margen von 13 bis 15 Prozent erwirtschaften. Bis zu 70 Prozent des avisierten Umsatzes sollen dabei aus dem Geschäft mit Batteriematerialien kommen. Derzeit sind es knapp 40 Prozent.
Ein Manko aus Kapitalmarktsicht ist, dass das Projekt „15kt-Anlage“ zunächst einmal eine Menge Kapazitäten bindet und 2026 ein „Übergangsjahr“ wird, wie CEO Leinenbach einräumt. So werden die Umsatzerlöse mit 37 bis 39 Mio. Euro vergleichsweise deutlich unter das Niveau von 2025 (44,3 Mio. Euro) fallen. Die erwartete EBITDA-Marge für 2026 siedelt Leinenbach bei 7 bis 10 Prozent (2025: 10,5 Prozent) an. Hier hatte sich manch Investor vermutlich eine stabilere Entwicklung erhofft. Aber das allgemeine Chemieumfeld ist eben unverändert ruppig. Losgelöst davon ist das übergeordnete Szenario aus dem PowerCo-Deal – inklusive der Ausweitung auf andere Abnehmer – die eigentlich wichtige Basis für die überfällige Neubewertung der IBU-tec-Aktie. Analyst Patrick Speck von Montega setzt das Kursziel zurzeit bei 25 Euro an.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
IBU-tec advanced materials
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
A0XYHT
DE000A0XYHT5
AG
75,76 Mio. €
30.03.2017
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Foto: boersengefluester.de
