Anleger, die die Aktie der Mittelstands-Holding Gesco in erster Linie wegen der Dividende gekauft haben, müssen ihr Investmentszenario womöglich überprüfen. Galt bislang die Regel, dass – je nach finanziellem Bedarf für Firmenübernahmen – zwischen 20 und 60 Prozent des Gewinns ausgekehrt werden, setzen die Wuppertaler nun andere Prioritäten: So wird das obere Ende der Ausschüttungsquote auf 40 Prozent gekappt. Dafür bekommen unter dem seit Oktober 2024 als CEO amtierenden Johannes Pfeffer Aktienrückkäufe explizit eine höhere Gewichtung – zumindest solange der Erwerb wirtschaftlich sinnvoll ist. Ganz oben auf der Skala steht jedoch Wachstum: organisch und anorganisch. Je nach Konstellation sind künftig damit sogar Nullrunden denkbar.
Zur Hauptversammlung (HV) am 25. Juni 2025 geht es bereits in die Umsetzung. So soll ein von 0,40 auf 0,10 Euro je Aktie reduzierter Dividendenvorschlag auf die Tagesordnung der HV. Renditefans schauen mitunter also in die Röhre. Angesichts eines von 1,93 auf 0,42 Euro geschmolzenen Ergebnisses je Aktie kommt die saftige Dividendenkürzung andererseits aber auch nicht wirklich überraschend. Bereits Ende 2024 hatte Gesco die Anleger darauf eingestellt, dass der Verkauf der defizitären Bereiche „Gießerei“ und „Stahlwerk“ der Tochter Doerrenberg Edelstahl das Gesco-Ergebnis einmalig mit rund 4,5 Mio. Euro belasten wird. So ist es nun auch gekommen. Bei deutlich rückläufigen Erlösen von 513,8 Mio. Euro zeigt Gesco für 2024 einen Gewinn nach Anteilen Dritter von 4,4 Mio. Euro. Avisiert hatte CEO Pfeffer ein Ergebnis zwischen 3,5 und 7,5 Mio. Euro. Die ursprüngliche Gewinnprognose lag in einer Bandbreite von 8,0 bis 12,0 Mio. Euro.
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2019
2020
2021
2022
2023
2024
2025
Umsatzerlöse1
439,62
397,23
488,05
582,27
560,72
530,00
0,00
EBITDA1,2
44,04
33,36
62,19
67,74
59,04
61,50
0,00
EBITDA-Marge %3
10,02
8,40
12,74
11,63
10,53
11,60
0,00
EBIT1,4
23,47
16,69
44,57
49,43
35,84
38,00
0,00
EBIT-Marge %5
5,34
4,20
9,13
8,49
6,39
7,17
0,00
Jahresüberschuss1
13,73
-15,98
29,46
36,26
22,14
11,00
0,00
Netto-Marge %6
3,12
-4,02
6,04
6,23
3,95
2,08
0,00
Cashflow1,7
38,55
59,65
51,70
10,69
31,18
51,20
0,00
Ergebnis je Aktie8
1,14
-1,53
2,48
3,12
1,93
0,42
1,70
Dividende je Aktie8
0,23
0,00
0,98
1,00
0,40
0,10
0,40
Schnell abhaken, heißt also die Devise für das Resultat von 2024. Immerhin soll allein die neue Konstellation bei Doerrenberg für positive Effekte im niedrigen einstelligen Millionen-Euro-Bereich gut sein. Nun: Einen Versuch wert ist die neu formulierte Werteskala mit Priorität für Wachstum allemal. Schließlich waren die Dividendenausschüttungen der vergangenen fünf bis zehn Jahre alles andere als verlässliche Größen und schwankten zwischen 0,00 Euro (für 2020) und 1,00 Euro (für 2022). Und was das Chartbild angeht, waren die Jahre 2023 und 2024 ohnehin ziemlich ernüchternd. Dabei hat Gesco durchaus spannende Beteiligungen mit guter Marktstellung und viel Potenzial im Portfolio. Hat aber alles nichts genützt: Um Mittelstands-Holdings haben Anleger generell einen Bogen gemacht. Das hat sich zuletzt spürbar gewandelt, wobei Pauschalargumente wie Infrastrukturfantasie mitunter eher weit hergeholt sind.
Überzeugender findet boersengefluester.de bei Gesco da schon den operativen Cashflow von 51,2 Mio. Euro, die spürbar reduzierte Bankverschuldung sowie den Buchwert je Aktie von gut 24 Euro – bei einem Aktienkurs von rund 15 Euro. Ende April legt das Unternehmen den Geschäftsbericht für 2024 vor. Zudem präsentiert der Vorstand auf der Frühjahrskonferenz von Equity Forum in Frankfurt vom 12. bis 14. Mai 2025. Als Medienpartner wird boersengefluester.de in Frankfurt vor Ort sein und sich bestimmt auch Gesco anschauen. Summa summarum: Die angepasste Dividendenstrategie ist sicher nicht besonders populär. Andererseits bietet die stärkere Fokussierung auf das Thema Wachstum vermutlich genügend Zusatzchancen, um den Dividendenmalus zu überkompensieren.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Gesco
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
A1K020
DE000A1K0201
SE
178,85 Mio. €
24.03.1998
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