Für den ohnehin auf ein Rekordtief gefallenen Aktienkurs der German Tech Holding (GTH) ist das laufende Bezugsangebot für die bis zu 34.200.000 eigenen Aktien richtungsweisend. Vermutlich ist es sogar die finale Chance, um die Beteiligungsholding vital zu halten. Dem Vernehmen nach hat die Gesellschaft einen kurzfristigen Kapitalbedarf von rund 2,1 Mio. Euro. Um den zu stemmen und gleichzeitig den Weg für einen Einstieg bei dem Radiopharmaspezialisten Zirnostics freizumachen, bietet die GTH ihren Investoren nahezu alle noch im Bestand befindlichen eigenen Aktien zum Kauf an. Die gewählte Bezugspreisspanne von 0,07 bis 0,21 Euro wäre dabei vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen. Immerhin kostete die Aktie vor drei Jahren mehr als 1,50 Euro.
Doch die ökonomischen Realitäten haben sich nach den mehrfachen Wendungen des Geschäftsmodells signifikant geändert. Bei vollständiger Platzierung aller Aktien würde GTH – je nach gewähltem Bezugspreis – netto zwischen 2,36 und 7,15 Mio. Euro einnehmen. Zumindest für das untere Ende der Spanne gibt es sogar eine Abnahmegarantie aller angebotenen Aktien durch ein Vehikel (GG) von CEO Christoph Gerlinger. Sollte Gerlinger im Extremfall tatsächlich alle angebotenen Aktien erwerben, würde sich sein Anteil an der GTH von derzeit 7,1 auf 76,8 Prozent erhöhen – bei einem Freefloat von dann etwa 20,6 Prozent. Die dafür nötigen knapp 2,40 Mio. Euro würden den Firmengründer also klar zum dominierenden Anteilseigner machen. Andererseits trägt Gerlinger damit auch das größte Risiko bei der Neupositionierung.
Eine zentrale Rolle spielt Gerlinger aber ohnehin. Immerhin hält er als Mitgründer bereits einen Anteil von 22,5 Prozent an der Zirnostics GmbH. Um möglichen Interessenskonflikten so gut es geht zu begegnen, wurde zwischen den Parteien (GG und GTH) eine Put-Option vereinbart. Losgelöst davon handelt es sich bei der Zielgesellschaft de facto um eine Ausgründung der Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum des Saarlandes um Prof. Dr. Samer Ezziddin. Dem Vernehmen nach liegt die Bewertung des Start-ups im oberen einstelligen Millionen-Euro-Bereich. Der Plan ist es, via Barkapitalerhöhung einen Minderheitsanteil von zunächst 10 Prozent an Zirnostics zu erwerben – mit der Option auf weitere 5 Prozent sowie zusätzliche Vereinbarungen wie etwa einen Verwässerungsschutz für künftige Finanzierungsrunden. „Unser Ziel ist es, die Entwicklung von Zirnostics langfristig mitzugestalten“, sagt Gerlinger.
Für das Einstiegspaket von 10 Prozent reserviert GTH bis 50 Prozent der Nettoerlöse aus dem Verkauf der eigenen Aktien am unteren Ende der Spanne – also maximal 1,18 Mio. Euro. Die restlichen Mittel werden zur Finanzierung des laufenden Geschäftsbetriebs benötigt. Insgesamt also eine durchaus knifflige Ausgangslage mit enormen Chancen, aber eben auch signifikanten Risiken. Schließlich bewegt sich Zirnostics in einem sehr frühen Stadium und wird enormen Kapitalbedarf für die Durchführung von klinischen Studien aufbauen. Erhoffter Markteintritt wäre erst in drei bis vier Jahren. Dabei sind Unternehmen wie Telix Pharmaceuticals und Clarity Pharmaceuticals mit ihren radiopharmazeutischen Diagnostika von Prostatakrebs schon deutlich weiter als Zirnostics.
GTH-Aktionäre, die ihre Bezugsrechte im Verhältnis 1:3 wahrnehmen oder sogar einen Überbezug anmelden möchten, sollten sich unbedingt ausführlich informieren – etwa über die Dokumente wie das Investoren-Q&A auf der GTH-Homepage. Die Bezugsfrist läuft noch bis zum 27. Oktober 2026. Demnächst soll zudem eine Coverage durch First Berlin starten.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
German Tech Holding
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
A1MMEV
DE000A1MMEV4
GmbH & Co. KGaA
1,69 Mio. €
11.11.2015
Beobachten
Foto: Magnific


