Erstaunlich ruhig läuft die heiße IPO-Phase der Gabler Group. Kaum Presseberichte – im Wesentlichen gibt es nur den offiziellen Newsflow des in Lübeck ansässigen Anbieters von Ausfahrgerätesystemen für U-Boote sowie Produkten für die Unterwasserdatenübertragung. Grundsätzlich ist das nicht verwunderlich, denn der für den 9. März 2026 angepeilte erste Handelstag im Frankfurter Spezial-Freiverkehrssegment Scale dürfte allein durch die Nachfrage von institutionellen Investoren gesichert sein. Immerhin entfallen rund drei Viertel der Erlöse des 1962 gegründeten Unternehmens auf den Defence-Bereich. Die wichtigsten Kunden sind hier Rüstungsunternehmen, Werften oder auch die Streitkräfte selbst.
Konkret gehört dazu natürlich der ebenfalls börsennotierte U-Boot-Bauer TKMS (ThyssenKrupp Marine Systems), aber auch Hensoldt nimmt die Produkte der Gabler Group ab. Insgesamt also ein sensibles, aber eben auch außerordentlich relevantes Thema am Kapitalmarkt. Daher sind die bei der Ende Februar 2026 kommunizierten Preisspanne von 37 bis 47 Euro erhofften Brutto-Emissionserlöse zwischen knapp 39 und gut 49 Mio. Euro (bei Emissionskosten von vermutlich rund 2,7 Mio. Euro) aus der Ausgabe von neuen Aktien zum Börsengang vermutlich nicht wirklich ein Problem. „Als börsennotiertes Unternehmen wollen wir unsere Innovationskraft weiter stärken, unsere internationale Präsenz ausbauen und die sich bietenden Wachstumschancen konsequent nutzen“, sagt CEO David Schirm.
Konkret soll rund die Hälfte der IPO-Einnahmen für die Rückführung von Krediten eingesetzt werden und jeweils ein Viertel zur Forcierung des organischen sowie des anorganischen Wachstums. Dividendenzahlungen stehen erst einmal nicht auf der Agenda. In dem 304 Seiten umfassenden Wertpapierprospekt hat die seit 2013 vollständig zur Possehl-Gruppe gehörende Gabler Group alle wichtigen Informationen zusammengefasst – insbesondere die konsolidierten Jahreszahlen von 2023 bis 2025. Das ist auch unsere Basis gewesen für die Aufnahme der Gabler-Aktie in unsere Datenbank. Zudem hat boersengefluester.de aus dem Bundesanzeiger die historischen Abschlüsse der Vorgängergesellschaft Gabler Maschinenbau GmbH zusammengetragen, so dass wir zumindest eine solide 10-Jahres-Übersicht haben.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
24,60
20,70
0,00
43,16
49,15
70,31
72,00
EBITDA1,2
-1,14
2,69
0,00
4,72
9,02
14,46
16,50
EBITDA-Marge %3
-4,62
12,98
0,00
10,93
18,35
20,56
22,92
EBIT1,4
-1,86
2,05
0,00
3,46
7,64
12,29
14,00
EBIT-Marge %5
-7,57
9,91
0,00
8,02
15,53
17,48
19,44
Jahresüberschuss1
-1,46
0,52
0,91
1,18
2,94
6,75
8,50
Netto-Marge %6
-5,94
2,49
0,00
2,73
5,99
9,61
11,81
Cashflow1,7
-0,74
1,15
0,00
-5,41
14,66
12,84
14,00
Ergebnis je Aktie8
-0,24
0,09
0,15
0,19
0,49
1,12
1,40
Dividende je Aktie8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Die Auswahl haben Anleger dabei, was die jüngsten finanziellen Daten angeht. In der Pressemitteilung zum geplanten Börsengang nennt das Unternehmen operative Kennzahlen auf konsolidierter Basis sowie Pro-forma-Daten. So weist Gabler für 2025 Umsatzerlöse von 70,31 Mio. Euro sowie ein EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) von 12,29 Mio. Euro aus – entsprechend einer Marge von 17,5 Prozent. Die damit korrespondierenden Pro-forma-Zahlen für den Umsatz sind 61,74 Mio. Euro und 14,10 Mio. Euro für das EBIT – also 22,8 Prozent operative Rendite. Das Delta in absoluten Zahlen ist jetzt nicht die Welt, aber wer es wissen will: Die Unterschiede erklären sich aus dem Ende November 2025 mit Verlust an den Großaktionär Possehl veräußerten – und nicht mehr zum Rest passenden – Geschäftsbereich Thermoform (Maschinen zur Produktion von Kunststoffverpackungen für Lebensmittel) sowie der im August 2025 erworbenen Tochter SubCTech (Unterwasserbatterien und Messsysteme).
Mittelfristig peilt Vorstand David Schirm Nettoumsätze von 100 Mio. Euro an. Den Grundstock dafür bildet der Orderbestand von zum Jahresende 2025 fast 360 Mio. Euro – davon sind immerhin knapp 90 Mio. Euro fest zugesagte Aufträge. Last but not least eine kurze Einordnung zur Bewertung der Gabler-Aktie: Unter Berücksichtigung der zu vermutenden Netto-Liquidität von gut 26 Mio. Euro nach der Notizaufnahme käme das Unternehmen am oberen Ende der Preisspanne auf einen Unternehmenswert von knapp 260 Mio. Euro. Das entspricht etwa dem Faktor 14 auf das für 2025 angegebene EBITDA (auf Pro-forma-Basis) von 17,50 Mio. Euro. Ein stolzer Preis, den die damalige Gabler Maschinenbau noch vor wenigen Jahren so nicht hätte am Kapitalmarkt erreichen können.
Doch die Zeiten haben sich durch die geopolitischen Rahmenbedingungen nun mal signifikant geändert und Gabler steht vor einer guten Zukunft. Boersengefluester.de wird die weitere Entwicklung eng verfolgen. Zumindest als Momentum-Play dürfte die Gabler-Aktie überdurchschnittliche Chancen haben. Immerhin passt die Investitionsstory perfekt in das aktuelle Umfeld. Abwarten bleibt indes, wie hoch die Volatilität in den ersten Tagen sein wird. Zwar ist der Streubesitzanteil von bis zu 49,9 Prozent vergleichsweise hoch. Die Emissionen von Steyr Motors und auch TKMS haben den Anlegern diesbezüglich doch einiges abverlangt. Gut ist die Emission aber so oder so für die Reputation des Frankfurter Scale-Segments.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Gabler Group
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
A421RZ
DE000A421RZ9
AG
272,00 Mio. €
09.03.2026
Foto: Gabler Group
