In der Regel brauchen Anleger den Halbjahresbericht von Frequentis nur zu überfliegen. Schließlich ist es seit jeher so, dass der Anbieter von Kommunikationssystemen, wie sie in der Luftfahrt oder im Polizeibereich eingesetzt werden, in den ersten sechs Monaten eines Jahres nahezu kein Ergebnis macht. Üblicherweise fällt in diesem Zeitraum sogar ein kleiner operativer Verlust an. Erst zum Jahresende hin dreht sich diese Entwicklung in einen deutlichen Gewinn. Normalerweise mögen Investoren so eine ausgeprägte Hecklastigkeit nicht besonders. Da Frequentis seit dem IPO im Frühjahr 2019 aber konsequent geliefert hat, hat das in Wien ansässige Unternehmen mit Doppellisting in Wien und Frankfurt (General Standard) längst eine ausgeprägte Fanbasis.
Umso größer die Überraschung, als Frequentis Mitte Juli ein Update zum bisherigen Geschäftsverlauf für 2026 machte, wonach die Gesellschaft für die erste Jahreshälfte mit einem EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) von rund 15 Mio. Euro rechnet (Vorjahr: minus 4,3 Mio. Euro). Versehen war die Nachricht allerdings bereits mit dem Hinweis, dass es sich teilweise um Vorzieheffekte aus der „beschleunigten Abwicklung bei vereinzelten Großprojekten“ handelt – die Entwicklung demnach nicht aufs Gesamtjahr hochgerechnet werden dürfe. Gleichwohl war die Vorgabe so gut, dass CEO Norbert Haslacher seine Prognose für das Gesamtjahr von zuvor rund 10 Prozent Umsatzplus auf etwa 15 Prozent Erlöswachstum heraufsetzte. Die damit korrespondierende EBIT-Marge stufte Hasler derweil unverändert bei rund 7 Prozent ein.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
299,37
333,53
385,97
427,49
480,31
580,14
667,00
EBITDA1,2
41,92
46,51
45,63
44,17
54,13
66,94
69,00
EBITDA-Marge %3
14,00
13,95
11,82
10,33
11,27
11,54
10,35
EBIT1,4
26,81
28,97
24,99
26,65
32,10
46,75
46,70
EBIT-Marge %5
8,96
8,69
6,48
6,23
6,68
8,06
7,00
Jahresüberschuss1
-3,39
20,77
18,88
19,98
23,54
33,65
35,00
Netto-Marge %6
-1,13
6,23
4,89
4,67
4,90
5,80
5,25
Cashflow1,7
54,75
48,75
14,22
25,66
22,05
49,09
53,00
Ergebnis je Aktie8
-0,30
1,50
1,41
1,38
1,65
2,12
2,64
Dividende je Aktie8
0,15
0,20
0,22
0,24
0,27
0,30
0,33
In absoluten Zahlen würde das auf ein zusätzliches EBIT von rund 2 Mio. Euro auf dann knapp 47 Mio. Euro hinauslaufen. Mit Blick auf die superstarken Zahlen von 2025 wäre das ein immerhin stabiles Ergebnis – das so nicht gerade selbstverständlich ist. Bemerkenswert: Mit den jetzt vorlegten finalen Halbjahreszahlen liegt das für berichtete EBIT von 15,61 Mio. Euro sogar nochmals ein Stück über der bislang kommunizierten Größenordnung. Unter dem Strich steht zum Halbjahr ein Überschuss von 12,06 Mio. Euro – nach einem Fehlbetrag von 3,62 Mio. Euro in der vergleichbaren Vorjahresperiode. Der Free Cashflow zog in den ersten sechs Monaten 2026 von 1,7 auf 7,9 Mio. Euro an. Getragen wurde die EBIT-Performance mit 18,92 Mio. Euro dabei vom deutlich größeren Segment „Air Traffic Management – kurz: ATM“ (zivile und militärische Flugsicherung), während „Public Safety & Transport“ (Polizei, Feuerwehr, Bahn etc.) aufgrund höherer Investitionen in Kommunikationstechnologien zum Halbjahr noch auf ein negatives EBIT von minus 3,31 Mio. Euro kommt.
Aus aktuellem Anlass vermutlich besonders interessant: Frequentis entwickelt für die Bundeswehr eine militärische Lösung für Drohnenrouten sowie ein einheitliches Drohnen-Luftlagebild für den unteren Luftraum. Ansonsten sind es die Klassiker wie digitale Tower-Anwendungen, die Frequentis global wachsen lassen. Zum Halbjahr stammten 48 Prozent der Erlöse aus Europa, gefolgt von den USA mit einem Anteil von 39 Prozent. Nicht minder interessant sind die für Frequentis typischen anorganischen Impulse, wie etwa der zuletzt von 24,83 auf nun 51,00 Prozent erfolgte Ausbau der bereits 2020 initiierten Beteiligung an der spanischen Nemergent Solutions. Hier geht es um moderne Mobilfunklösungen (MCX-Technologie) im Bereich öffentliche Sicherheit oder auch kritischer Infrastrukturen.
Insgesamt also ein robustes Setup mit guten operativen Perspektiven. „Mit einem Auftragsstand von 835 Millionen Euro verfügen wir über eine ausgezeichnete Grundlage für die weitere Entwicklung des Unternehmens“, sagt Vorstandschef Haslacher. Insofern will es boersengefluester.de auch gar nicht überbewerten, dass der Aktienkurs von Frequentis seit einigen Quartalen per saldo kaum vom Fleck kommt. Solche Phasen gab es auch in der Vergangenheit – und es hat sich gelohnt, die Aktie zu halten. Keine Frage: Das KGV für 2027 auf Basis der Schätzungen von boersengefluester.de ist mit 26,5 durchaus ambitioniert. Dafür bekommen Anleger aber auch viel Bilanzqualität ins Depot gebucht.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Frequentis
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
A2PHG5
ATFREQUENT09
AG
1.019,90 Mio. €
14.05.2019
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Foto: Magnific
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