Von der runden Marke um 1.000 Mio. Euro Börsenwert hatte sich Frequentis wieder leicht nach unten entfernt. Grundsätzlich ist der übergeordnete Aufwärtstrend im Chart des Anbieters von Kommunikationssystemen, wie sie in der Luftfahrt oder im Polizeibereich eingesetzt werden, aber unverändert intakt und bewegt sich weiterhin oberhalb der 200-Tage-Durchschnittslinie. Und bei Aktienkursen oberhalb von 75,30 Euro würde das in Wien ansässige Unternehmen mit Zusatzlisting im Frankfurter Handelssegment General Standard auch bereits wieder zurück in den Club der MarketCap-Milliardäre kehren. Das an sich hat zwar keinen direkten Wert. Doch knapp sieben Jahre nach dem IPO Mitte Mai 2019 – damals mit einem Börsenwert von gerade einmal 239 Mio. Euro zum Start – ist es ein bemerkenswertes Zeichen dafür, was Frequentis für eine Langfristperformance hinlegt.
„Unser Wachstum und die Profitabilität zeigen, dass unser Geschäftsmodell nachhaltig trägt – gerade in herausfordernden Zeiten“, sagt CEO Norbert Haslacher zur Vorlage des Geschäftsberichts 2025. Für das vergangene Jahr kommt das Unternehmen dabei auf ein Umsatzplus von 20,8 Prozent auf 580,14 Mio. Euro. Das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) kletterte deutlich überproportional dazu von 32,10 auf 46,75 Mio. Euro – entsprechend einer EBIT-Marge von 8,06 Prozent für 2025. Das eigentlich Überraschende hierbei ist jedoch, dass die gemessen am Umsatz sehr viel kleinere Sparte „Public Safety & Transport“ (Blaulicht, Eisenbahn, Schifffahrt etc.) mit fast 27 Mio. Euro einen größeren Beitrag zum Konzern-EBIT leistete als das ansonsten sehr viel wichtigere Segment „Air Traffic Management“ (zivile und militärische Flugsicherung).
Hintergrund hier ist allerdings eine Vergleichszahlung von rund 8 Mio. Euro aus einem früheren Projekt, das Frequentis bislang in erster Linie Kosten für eine rechtliche Auseinandersetzung bescherte. Fakt ist: Ohne diesen Extraeffekt wären die Österreicher 2025 bei der EBIT-Marge nur bei rund 6,70 Prozent herausgekommen – also ziemlich genau auf dem Niveau von 2024. Wichtig ist dieser Punkt auch, um die Prognose für 2026 besser zu verstehen. So kalkuliert CEO Haslacher für das laufende Jahr mit einem Umsatzanstieg um rund 10 Prozent sowie einer für Frequentis einigermaßen typischen EBIT-Marge von etwa 7 Prozent. Die Einbuße gegenüber den berichteten Zahlen für 2025 hängt demnach am Sondereffekt aus der Schadensregulierung.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
299,37
333,53
385,97
427,49
480,31
580,14
640,00
EBITDA1,2
41,92
46,51
45,63
44,17
54,13
66,94
67,40
EBITDA-Marge %3
14,00
13,95
11,82
10,33
11,27
11,54
10,53
EBIT1,4
26,81
28,97
24,99
26,65
32,10
46,75
45,00
EBIT-Marge %5
8,96
8,69
6,48
6,23
6,68
8,06
7,03
Jahresüberschuss1
-3,39
20,77
18,88
19,98
23,54
33,65
34,00
Netto-Marge %6
-1,13
6,23
4,89
4,67
4,90
5,80
5,31
Cashflow1,7
54,75
48,75
14,22
25,66
22,05
49,09
53,00
Ergebnis je Aktie8
-0,30
1,50
1,41
1,38
1,65
2,12
2,40
Dividende je Aktie8
0,15
0,20
0,22
0,24
0,27
0,30
0,33
Potenzielle Belastungsfaktoren sind – neben den üblichen geopolitischen Spannungen – insbesondere Verknappungen im IT-Hardwarebereich aus dem KI-Boom. Um dem entgegenzuwirken, hat das Unternehmen jedoch die Lagerbestände ausgebaut. Handelszölle sind hingegen nicht das ganz große Thema für Frequentis. Wachstumstreiber bleiben derweil hochverfügbare, sichere Kommunikationsdienste (Mission-Critical-Services, kurz: MCx) für Einsatzorganisationen wie die Polizei oder Rettungsdienste, der dynamisch wachsende Drohnenverkehr sowie Remote-Digital-Tower-Lösungen für Flughäfen. Zudem bleibt anorganisches Wachstum zur Ausweitung des Produktspektrums eine Daueroption.
Losgelöst davon finden wir es stark, dass Frequentis beim operativen Cashflow zurück an die Schwelle von 50 Mio. Euro gekommen ist. Das gab es zuletzt in den Jahren 2020 und 2021. Definitiv ein Ausrufezeichen ist dabei der Free Cashflow von annähernd 39,50 Mio. Euro für 2025 – nach knapp 6,50 Mio. Euro im Jahr zuvor. Ebenfalls wichtig für die Bewertung der Frequentis-Aktie ist die Netto-Liquidität von zuletzt beinahe 105 Mio. Euro. Kein Polster für potenzielle Sonderausschüttungen, sondern eher eine Art Bonitäts-Visitenkarte im regelmäßig sehr langfristigen Geschäft mit den behördlichen Kunden. Vor diesem Hintergrund ist auch die geringe Dividendenrendite von nur 0,4 Prozent nicht zwingend ein Manko für Investoren.
Unter dem Strich bleibt boersengefluester.de dabei: Die Frequentis gehört mit zu den qualitativ besten Spezialwerten aus unserer mehr als 600 Unternehmen umfassenden Datenbank. Insofern ist auch das optisch hohe KGV von rund 27 zu erklären. Die um die Netto-Liquidität bereinigte Relation von Unternehmenswert zu dem von uns für 2026 erwarteten EBITDA beträgt 12,5. Auch das ein eher sportlicher Wert – aber eben auch ein Spiegelbild der guten operativen Perspektiven. Für langfristig orientierte Anleger bleibt der Titel damit ein Basisinvestment aus dem Spezialwertebereich.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Frequentis
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
A2PHG5
ATFREQUENT09
AG
944,21 Mio. €
14.05.2019
Halten
Foto: Freqentis AG
