Am Ende hat der 1. Kapitalmarkttag der Finexity Group im Frankfurter Tower185 am 13. Oktober 2026 beinahe fünf Stunden gedauert – und da ist das anschließende Get-together in der NFL Skybar im 47. Stockwerk des nahegelegenen nhow-Hotels noch gar nicht inkludiert. Tatsächlich hat Finexity-CEO Paul Huelsmann die Gelegenheit genutzt, um einmal das volle Programm des Anbieters von digitalen Kapitalmarktinfrastrukturen vorzustellen: Ausgangspunkt ist die in die Nolivius Capital Partners eingebettete Beratung von Emittenten, Asset-Managern und Banken hinsichtlich tokenisierter Wertpapiere. Etwas flapsig ausgedrückt ist das der Investmentbanking-Arm von Finexity. Die dahinterstehende Technik der Tokenisierung, die Registerführung sowie den Handel und die Abwicklung wiederum ist Part der Tochter Nundara – also quasi die offizielle technologische und White-Label-Infrastruktur. Wo es sich anbietet, dockt Nundara an Spezialanbieter wie Cashlink an.
Wenig überraschend ist der Bereich Infrastruktur wohl der interessanteste Teil der Wertschöpfungskette. „Nundara ist das Herzstück der Gesellschaft. Nundara ist die Technik, in die wir massiv investieren“, sagt Paul Huelsmann auf dem Kapitalmarkttag. Um Wertpapiere auf der Blockchain als Anlagevermittler oder auch Berater regelkonform zu vertreiben, braucht es naturgemäß eine entsprechende Lizenz. Hier hat Finexity mit dem im August 2025 übernommenen Haftungsdachanbieter Effecta die passende Lösung im Portfolio. Wichtig zu wissen: Noch ist der Deal nicht komplett in trockenen Tüchern, da das Inhaberkontrollverfahren der Finanzaufsicht BaFin nicht final abgeschlossen ist. Vierte Marke im Bunde ist der eigene Online-Broker VolksInvest, wo Anleger tokenisierte, aber auch konventionelle Wertpapiere handeln können.
Nun: Ohne die hochinteressante Technologie der Gruppe insgesamt schmälern zu wollen. Auf dem Capital Market Day hatte wohl nicht nur boersengefluester.de den Eindruck, dass der VolksInvest-Broker als Nische das schwierigste Projekt in der Kette ist und für die Investmentstory der Finexity-Aktie vermutlich eher ein Bremser sein könnte. Immerhin ist der Markt schon allein durch Neo-Broker wie Trade Republic, Scalable Capital oder auch den Smartbroker+ sowie etablierte Anbieter wie flatexDEGIRO massiv umkämpft. Freilich sollte dieser Aspekt nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der europäische Kapitalmarkt mitten in einem signifikanten regulatorischen Änderungsprozess in Richtung eines blockchainbasierten dezentralen Finanzwesens – bekannt als DeFi – befindet, das ohne klassische Intermediäre wie Banken und Clearinghäuser auskommt. „Viele haben gesagt. DeFi ist Hokuspokus, das kommt aus der Kryptowelt“, sagt Paul Huelsmann. Tatsächlich ist der Zug in Richtung eines gemeinsamen europäischen Kapitalmarkts aber längst unterwegs.
„Als nächsten Schritt arbeiten wir an der Zulassung als DLT-Handelsplatz mit Abwicklungssystem.“ Noch im laufenden Jahr will Finexity den Antrag für eine DLT-TSS-Lizenz für Handel und Abwicklung einreichen, um so die Liquidität der tokenisierten Wertpapiere auf Nundara zu bündeln. Keine Frage: Etablierte Player wie die Deutsche Börse AG, die mit ihrer digitalen Nachhandels- und Emissionsplattform D7 schon einiges an Volumen bewegt, positionieren sich gerade. In dieser Gemengelage formiert die Finexity Group ihre Nischenstrategie rund um eher kleinere Emissionen. In drei bis fünf Jahren will das Unternehmen damit auf Umsatzerlöse von mehr als 70 Mio. Euro kommen und daraus eine EBITDA-Marge zwischen 25 und 30 Prozent erwirtschaften. Für 2026 sieht die Zielsetzung Umsätze von 9,6 Mio. Euro und ein EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von minus 3,5 Mio. Euro vor. Die Schwelle zu einem positiven EBITDA peilt Finexity für 2028/29 bei Erlösen von dann rund 20 Mio. Euro an.
Aus derartigen Projektionen lassen sich naturgemäß knackige Kursziele für die Finexity-Aktie ableiten, die den heutigen Unternehmenswert um ein Vielfaches überschreiten. Aber Finexity muss dann eben auch entsprechend liefern. Dabei ist boersengefluester.de schon überzeugt davon, dass der Kapitalmarkt die – zugegeben sehr erklärungsbedürftige – Investmentstory von Finexity unterschätzt und das Unternehmen in einigen Jahren ein klassischer Übernahmekandidat wird. Aber bis dahin ist es eben noch ein gutes Stück Strecke. Doch CEO Paul Huelsmann ist zuversichtlich, dass Finexity aussichtsreich positioniert ist: „Der Markt ist heute zwar nur klein, wird aber massiv kommen. Und gewinnen wird nicht der, der das beste Produkt baut, sondern die, die Infrastruktur bauen.“
Dafür braucht es freilich auch die passende Kapitalausstattung. Und so räumt die Gesellschaft selbst ein, derzeit die Aufnahme von zusätzlichem Eigen- oder Fremdkapital zu prüfen – um potenziell höhere Umsatz- und Ergebnisziele zu erreichen. Geeignet ist der im Münchner Spezialfreiverkehr m:access notierte Titel eher für risikobereite Investoren. Die Volatilität im Chart ist mitunter sehr ausgeprägt. Der aktuelle Börsenwert beträgt rund 45,5 Mio. Euro.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Finexity Group
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
A40ET8
DE000A40ET88
AG
45,48 Mio. €
05.09.2025
Halten
Foto: boersengefluester.de (2. von links: CEO Paul Huelsmann)


