Auf Veranstaltungen wie der MKK Münchner Kapitalmarkt Konferenz geht es für Smallcap-Fans immer auch darum, neue Aktien mit interessanten Entwicklungen aufzuspüren. Exakt in dieses Raster fällt Energenta. Dabei ist das im Bereich Kunststoffrecycling tätige Unternehmen bereits seit Mitte 2024 im Münchner Freiverkehr notiert – mit bislang allerdings mäßigem Erfolg. Der Aktienkurs ist von anfänglich rund 4 Euro auf klar unter 1 Euro gefallen. Ähnlich schwankungsintensiv sehen die fundamentalen Daten zu Umsatz und Ergebnis aus: Auf der Erlösebene gab es in den vergangenen Jahren durch regelmäßige M&A-Aktivitäten zwar Wachstum. Allerdings führten die Verwerfungen auf dem Rohstoffmarkt sowie die 2024 eingeleitete Neuausrichtung des Portfolios mit entsprechenden Entkonsolidierungseffekten unter dem Strich zu deutlichen Verlusten.
Mit der im Dezember 2025 auf die Schiene gesetzten Übernahme der MBA Polymers aus München via Sachkapitalerhöhung haben sich jedoch grundlegende Parameter geändert. Das fängt schon bei den Investor-Relations-Aktivitäten an. „Die Kapitalmarktkommunikation wurde stiefmütterlich behandelt“, räumt CFO Felix-Michael Weber bei seiner Präsentation auf der MKK ein. Hier will der Manager – er kam als ehemaliger CEO von MBA Polymers in die Gesellschaft – künftig offensiver agieren. Dabei ist Weber jemand, dem das Thema Börse am Herzen liegt. Im Einzelgespräch verriet er boersengefluester.de, dass er bereits seine Diplomarbeit über IPOs von Familienunternehmen geschrieben hat. Da passt es ins Bild, dass Energenta kürzlich ein Uplisting in das Münchner Spezialsegment m:access umgesetzt hat. Zudem ist eine Xetra-Handelsaufnahme geplant, um die Liquidität in dem Titel zu erhöhen.
Mit dem via Sachkapitalerhöhung umgesetzten Merger zwischen Energenta und MBA Polymers hat sich derweil die Aktienzahl um 8.570.863 auf 24.488.179 Stücke erhöht – der aktuelle Börsenwert liegt damit bei rund 19,3 Mio. Euro. Dabei erfolgte die Transaktion grundsätzlich auf Basis einer Bewertung von 8,5 Mio. Euro – was einem Abschlag von rund 2,5 Mio. Euro auf den via Gutachten ermittelten Wert entspricht. Die neuen operativen Möglichkeiten im Bereich Kunststoffrecycling sollen für den Unternehmensverbund aber erst ein Anfang sein. Schon jetzt lotet das Team von Energenta eine mögliche Kapitalerhöhung aus, um die Mittel für eine weitere Akquisition sowie eine Verdopplung der Kapazitäten für die in Nürnberg ansässige Tochter Sysplast umzusetzen. „Wir wollen zu den europäischen Top 10 der Kunststoffproduzenten gehören“, gibt Weber als Zielsetzung für die kommenden fünf Jahre aus.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
16,20
5,08
12,24
25,18
11,42
11,10
16,70
EBITDA1,2
2,37
1,42
2,15
3,35
2,90
3,21
2,76
EBITDA-Marge %3
14,62
27,95
17,56
13,39
25,39
28,92
16,53
EBIT1,4
1,66
0,98
0,72
2,30
-4,90
0,00
0,00
EBIT-Marge %5
0,00
19,19
5,91
9,15
-42,91
0,00
0,00
Jahresüberschuss1
0,00
0,83
0,12
-1,05
-4,15
0,00
0,00
Netto-Marge %6
0,00
19,19
1,00
-4,20
-36,31
0,00
0,00
Cashflow1,7
0,00
1,27
1,74
-2,11
-1,88
0,00
0,00
Ergebnis je Aktie8
0,00
0,00
0,00
-0,04
-0,17
-0,24
-0,13
Dividende je Aktie8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Auf der MKK hielt sich CFO Weber mit Details zu der avisierten Kapitalmaßnahme zurück. Grundsätzlich scheint es aber um bis zu 3 Millionen neue Aktien zu gehen. Nun: Zunächst einmal müsste Energenta beim Aktienkurs deutlich vorankommen, um die Mindestschwelle von 1 Euro pro Aktie bei einer Barkapitalerhöhung zu nehmen. Die Finanzplanung für 2026 sieht derweil einen Umsatzanstieg auf rund 16,70 Mio. Euro sowie ein EBITDA von 2,76 Mio. Euro vor. Zum Vergleich: Für 2025 zeigt Energenta ein um Sonderfaktoren bereinigtes EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von 3,21 Mio. Euro. Ohne die positiven Effekte aus Grundstücks- und Anteilsverkäufen wäre das Ergebnis aber wohl negativ gewesen. Insofern wird eine Reihe von Investoren wohl erst einmal schauen, welche Margen in dem Geschäft nachhaltig möglich sind. Noch ist es nämlich gar nicht so einfach, die vielen Bereinigungseffekte im historischen Zahlenwerk von Energenta zu separieren.
Entsprechend schwierig ist es auch, die fundamentalen Stammdaten für die Aufnahme der Aktie in unsere Datenbank zu erfassen. Dafür kursieren im Netz einfach zu unterschiedliche Zahlen – auch aus früheren Kapitalmarktpräsentationen. Im Gespräch mit boersengefluester.de zeigt sich Weber grundsätzlich jedoch sehr zuversichtlich, was die operative Entwicklung angeht – auch wegen der deutlich verbesserten Preissituation. Gleichwohl warnt er vor einer übertriebenen Erwartungshaltung. „Wir sind keine Goldmine, sondern müssen uns die Finger schmutzig machen. Es ist komplex und kapitalintensiv. Deswegen braucht es auch seine Zeit.“ Boersengefluester.de wird sich die weitere Entwicklung sehr genau anschauen und am Ball bleiben. So gesehen war unser Doppelpack aus Gruppenpräsentation und 1on1 auf der – wie immer von GBC organisierten – 41. MKK ein guter Auftakt. Am 28. April 2026 wird Felix-Michael Weber bereits wieder vor Investoren präsentieren – und zwar in Bonn auf der Impact-Investing-Konferenz der Münchner SMC Investmentbank.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Energenta
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
A3DSK8
DE000A3DSK87
AG
19,35 Mio. €
24.06.2024
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Foto: Freepik
