Normalerweise halten die Kurse der Stamm- und Vorzugsaktien von Drägerwerk ihre gewohnten Abstände. Im Mittel der vergangenen zwölf Monate hatten die im SDAX enthaltenen Vorzüge einen Aufpreis von etwas mehr als 20 Prozent gegenüber den stimmberechtigten Stämmen. Eine Konsequenz der höheren Handelsliquidität der Vorzüge und damit auch ein Ausdruck des gestiegenen Interesses von institutionellen Investoren, die mit höheren Stückzahlen ihre Order platzieren. Hinzu kommt, dass das Stimmrecht aufgrund der rechtlichen Gesellschaftskonstruktion einer AG & Co. KGaA ohnehin nur begrenzten Mehrwert im Sinne einer Mitbestimmung entfaltet. Umso interessanter, dass der Kursabstand (Spread) zwischen beiden Gattungen zuletzt auf eher ungewöhnliche knapp 30 Prozent gestiegen ist.
Dabei war es zwischen dem 30. Oktober 2025 und dem 22. Dezember 2025 sogar noch so, dass der Spread durchgehend weniger als 20 Prozent ausmachte. Zumindest für eher kurzfristig orientierte Anleger könnte es also sinnvoll sein, sich momentan eher mit den zu 71,62 Prozent von der Familie Dräger gehaltenen Stämmen als mit den vollständig im Freefloat befindlichen Vorzugsaktien von Drägerwerk zu beschäftigen. Interessant sind die Stammaktien auch für dividendenorientierte Investoren, denn der kleine Dividendennachteil von 2,21 Euro je Stammaktie gegenüber den 2,27 Euro je Vorzugsaktie zur Hauptversammlung am 8. Mai 2026 wird durch den Kurs-Spread mehr als ausgeglichen. So rentieren die Stämme momentan mit 3,1 Prozent, während es die Vorzüge auf eine Dividendenrendite von nur knapp 2,5 Prozent bringen.
Aber auch losgelöst von dem vermutlich eher temporär großen Kursabstand zwischen beiden Aktiengattungen bleibt der Medizintechnikkonzern Drägerwerk ein generell attraktives Investment. Die Zahlen im jetzt veröffentlichten Geschäftsbericht bestätigen die Mitte Januar vorab kommunizierten Eckdaten mit einem Umsatz von 3.481,90 Mio. Euro. „Das ist ein neuer Rekord, den wir – anders als während der Pandemie – ganz ohne „Sonderkonjunktur“ erzielt haben“, sagt CEO Stefan Dräger. Das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) erreichte 233,37 Mio. Euro – nach 191,02 Mio. Euro im Jahr zuvor. Unter dem Strich kletterte das Ergebnis je Vorzugsaktie von 6,67 auf 7,48 Euro. Damit kommen die Lübecker noch nicht ganz an den Corona-Spitzenwert von 10,25 Euro für das Jahr 2020 heran.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
3.406,28
3.328,42
3.045,23
3.375,50
3.370,88
3.481,90
3.615,00
EBITDA1,2
521,07
421,00
55,80
315,00
339,90
377,60
385,00
EBITDA-Marge %3
15,30
12,65
1,83
9,33
10,08
10,84
10,65
EBIT1,4
396,60
271,68
-88,61
166,43
194,02
233,37
239,00
EBIT-Marge %5
11,64
8,16
-2,91
4,93
5,76
6,70
6,61
Jahresüberschuss1
249,89
154,27
-63,64
111,99
124,76
140,36
145,00
Netto-Marge %6
7,34
4,64
-2,09
3,32
3,70
4,03
4,01
Cashflow1,7
459,98
384,89
-144,23
189,68
167,31
238,33
200,00
Ergebnis je Aktie8
10,25
7,19
-3,47
5,92
6,61
7,48
7,73
Dividende je Aktie8
0,19
0,19
0,19
1,80
2,03
2,27
2,27
Beachtlich ist die Entwicklung aber allemal, zumal tatsächlich sogar auch die militärischen Anwendungen wie Schutzmasken oder Tauchgeräte kontinuierlich an Bedeutung gewinnen. 2025 lagen die Erlöse mit solchen Produkten bei etwa 100 Mio. Euro – bis 2028 soll der Anteil auf mehr als 300 Mio. Euro steigen. Grundsätzlich ist es dabei so, dass das – gemessen am Umsatz von 1.471 Mio. Euro – um rund 22,5 Prozent kleinere Segment Sicherheitstechnik mit einem EBIT von 176,4 Mio. Euro der Medizintechnik (EBIT: 57 Mio. Euro) weiterhin die Show stiehlt. Andererseits ist die deutliche Verbesserung im Medizintechnikbereich (EBIT 2024: 28,3 Mio. Euro) mit ein Grund dafür, dass Drägerwerk auch auf Konzernebene wieder so gut dasteht. „In der Medizintechnik treiben wir unter anderem die Vermarktung vernetzter Lösungen voran, während wir in der Sicherheitstechnik konsequent in neue Geschäftschancen in Bereichen wie Cleantech und Verteidigung investieren“, sagt Stefan Dräger.
Für das laufende Jahr bleibt es bei der Ansage, wonach bei einem währungsbereinigten Umsatzplus zwischen 2,0 und 6,0 Prozent mit einer EBIT-Marge im Bereich von 5,0 bis 7,5 Prozent (Vorjahr: 6,7 Prozent) zu rechnen ist. Die Kurven für Umsatz und Ergebnis zeigen also weiter nach oben. Das sollte sich auch unverändert so im Aktienkurs niederschlagen. Addiert man auf den Börsenwert von momentan 1.512 Mio. Euro noch die Netto-Finanzverbindlichkeiten von 123 Mio. Euro, ergibt sich ein Unternehmenswert (Enterprise Value) von 1.635 Mio. Euro. Das ist gerade einmal der Faktor 4,2 auf das von boersengefluester.de für 2026 erwartete EBITDA von 385 Mio. Euro. Das klassische KGV für die Vorzüge beträgt 11,5, während die Stämme sogar für weniger als das Neunfache des für 2027 erwarteten Gewinns je Aktie zu haben sind.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Drägerwerk VZ
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
555063
DE0005550636
AG & Co. KGaA
1.512,01 Mio. €
04.09.1979
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Foto: Drägerwerk (Versand von Medizintechnikprodukten)
