Immerhin: Den Stresstest von Anfang Mai 2026, als die All For One Group im Rahmen der Zwischenberichterstattung zum Halbjahr ihre Jahresziele für das Gesamtjahr 2025/26 kürzen musste, hat der Aktienkurs einigermaßen gut überstanden. Das liegt sicher auch daran, dass der Vorstand die Hintergründe der Gewinnwarnung damals auf der Frühjahrskonferenz in Frankfurt plausibel erläuterte und das künftige Ergebnispotenzial aus dem Fitnessprogramm „Precision“ aufzeigte. Noch wichtiger dürfte jedoch der Punkt gewesen sein, dass All For One den Investoren verdeutlichte, dass die zuvor von SAP kommunizierte Weiterentwicklung der KI-Strategie den Filderstädtern sogar in die Karten spielt, da er den Transformationsprozess bei den Kunden nochmals beschleunigt. Von einer nachhaltigen Verbesserung der Stimmung ist der Chart der All For One-Aktie allerdings noch immer weit entfernt.
So gern das Unternehmen in seiner Kapitalmarktkommunikation mit Begriffen wie „skalierbare Delivery-Setups“, „Build-Deploy-Run-Ansätze“ oder „Go-to-Market-Strategien“ hantiert: Für Anleger zählen letztlich die Ergebnisse. Und die stehen angesichts eines wirtschaftlich angespannten Umfelds unter Druck. Viele Unternehmen schieben Investitionen auf oder streichen Projekte ganz. Auch All for One kommt daher nicht daran vorbei, seine Strukturen an die neue Realität anzupassen. Die für das Programm „Precision“ vorgesehenen bis zu 20 Mio. Euro werden vor allem für Personalmaßnahmen, die Verlagerung von Kapazitäten ins Ausland, den Aufbau einer globaleren Vertriebsorganisation sowie den Ausbau eigener KI-Ressourcen verwendet.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
355,39
372,94
452,65
487,95
511,41
503,72
510,00
EBITDA1,2
41,29
42,08
47,09
43,68
55,39
47,33
55,50
EBITDA-Marge %3
11,62
11,28
10,40
8,95
10,83
9,40
10,88
EBIT1,4
19,29
20,63
17,60
14,91
28,41
18,87
2,00
EBIT-Marge %5
5,43
5,53
3,89
3,06
5,56
3,75
0,39
Jahresüberschuss1
13,08
13,52
11,04
11,20
18,32
11,36
-7,00
Netto-Marge %6
3,68
3,63
2,44
2,30
3,58
2,26
-1,37
Cashflow1,7
41,37
34,78
28,06
40,24
40,98
39,70
40,30
Ergebnis je Aktie8
2,55
2,68
2,20
2,23
3,70
2,32
-1,40
Dividende je Aktie8
1,20
1,45
1,45
1,45
1,60
1,20
0,00
Wie uns CEO Michael Zitz im Hintergrundgespräch verrät, kommt das Unternehmen hier aber gut voran: „Das Projekt wird zügig umgesetzt. Bis Ende Juni haben wir einen Großteil erreicht und werden im letzten Quartal (Anm.: Anfang Juli bis Ende September) erste Ergebnisse zeigen.“ Zusätzliche Belastungen wären demnach eher nicht zu erwarten. „Wir sind mit einem spitzen Bleistift an die Sache gegangen“, sagt Zitz. Vor allem im Geschäftsjahr 2026/27 sollen die Veränderungen dann merklich im Zahlenwerk zu sehen sein. Für das noch bis Ende September laufende Geschäftsjahr 2025/26 müssen sich Anleger derweil auf ein um M&A-Effekte bereinigtes EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) nahe der Nulllinie einstellen. Die vorherige Prognose sah hier ein adjustiertes EBIT in einer Bandbreite von 27,5 bis 34,5 Mio. Euro vor.
Für 2026/27 rechnen die Analysten im Schnitt dann mit einem EBIT von knapp 25 Mio. Euro. Zum Vergleich: Der Börsenwert beträgt zurzeit annähernd 157 Mio. Euro. Gemessen an dem sich bietenden Ertragspotenzial ist das alles andere als ambitioniert. Das sieht auch das Management von All For One so und hat ein neuerliches Aktienrückkaufprogramm im Volumen von bis zu 5,85 Mio. Euro lanciert, das kürzlich auch gestartet wurde. Konkret will das Unternehmen bis Anfang März 2027 maximal 130.000 Aktien – entsprechend bis zu 2,61 Prozent des gesamten Kapitals – über die Börse erwerben. „Ganz klare Nachricht an unsere Aktionäre: Wir glauben fest an das, was wir tun, und daran, dass die Kapitalmärkte ein falsches Bild davon haben, wo All For One tatsächlich steht und welche Servicemöglichkeiten, auch KI-gestützt, wir zukünftig haben werden“, betont Zitz.
Insofern wäre das aktuelle Kursniveau von 31,50 Euro – zuletzt notierte die Aktie im Frühjahr 2020 während des Corona-Crashs so niedrig – tatsächlich eine historische Chance. Das Eigenkapital je Aktie beträgt zurzeit knapp 20 Euro. Tatsächlich sind sowohl die Eigenkapitalquote (25 Prozent) als auch die Netto-Verschuldung (91,7 Mio. Euro) durch die im März 2026 erfolgte Akquisition des auf Lösungen für den operativen Einkauf spezialisierten SAP-Beratungsunternehmens Apsolut Group belastet. Grundsätzlich verfügt die All For One Group aber über robuste Bilanzstrukturen. Auf mittlere Sicht überwiegen nach Auffassung von boersengefluester.de die Chancen.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
All for One Group
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
511000
DE0005110001
SE
156,93 Mio. €
30.11.1998
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Foto: Magnific


