Am Ende hängt zwar immer alles irgendwie zusammen. Im Investoren-Call zur Vorlage der Q1-Zahlen von ad pepper media International will CEO Jens Koerner den potenziellen Einfluss der kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten aber auch nicht zu hoch aufhängen – zumindest aus jetziger Sicht. „Wegen der Straße von Hormus sich keine ad pepper-Aktie anzusehen, halte ich für keine gute Idee“, so das gegenwärtige Fazit von Körner. Immerhin hat das im Bereich Performancemarketing (Webgains) und Preisvergleiche (billiger.de) bzw. Rabattcodes (sparwelt.de) tätige Plattformunternehmen Rekordzahlen für die ersten drei Monate 2026 vorgelegt und sich sogar erstmals nach vielen Jahren wieder an eine konkrete Ergebnisprognose getraut (siehe dazu auch unseren Beitrag HIER). Zwischen 6,5 und 7,5 Mio. Euro EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) will die Gesellschaft im laufenden Jahr erwirtschaften.
„Mitten im makroökonomisch ungewissen Fahrwasser. Wir haben uns trotzdem aus der Deckung gewagt“, sagt Körner. Gut zu sehen dabei, wie ad pepper die einzelnen Marken unterhalb der jüngsten Akquisitionen Solute und Checkout Charlie bereits miteinander verzahnt hat, um so die einzelnen Vertriebskanäle optimal zu nutzen. Interessant auch die detailliertere Betrachtung der Zahlen für das erste Quartal. Während Webgains die Erlöse um 12 Prozent auf 3,96 Mio. Euro steigert und dabei eine unerwartet hohe EBITDA-Marge von 18,5 Prozent erwirtschaftet hat, sehen die Daten bei Solute auf den ersten Blick deutlich weniger dynamisch aus. Hier steht nach Q1 2026 nur ein Wachstum von 5,7 Prozent auf 14,77 Mio. Euro – bei einer EBITDA-Marge von 9,8 Prozent – zu Buche. Hintergrund: Die im Sommer 2025 aus dem RTL-Verbund akquirierte Checkout Charlie (sparwelt.de, gutscheine.de etc.) hat im Herbst den ebenfalls zu RTL gehörenden Nachrichtensender n-tv als wichtigen Kunden verloren, was zu einem Erlösrückgang von 18 Prozent im Auftaktviertel 2026 führte.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
25,62
27,65
24,87
21,75
21,45
56,96
76,00
EBITDA1,2
6,56
4,38
1,28
0,02
2,00
7,17
7,75
EBITDA-Marge %3
25,61
15,84
5,15
0,09
9,32
12,59
10,20
EBIT1,4
5,45
3,19
0,19
-0,99
1,16
4,85
5,50
EBIT-Marge %5
21,27
11,54
0,76
-4,55
5,41
8,52
7,24
Jahresüberschuss1
4,34
2,56
-0,25
-0,70
2,42
4,25
5,10
Netto-Marge %6
16,94
9,26
-1,01
-3,22
11,28
7,46
6,71
Cashflow1,7
3,38
2,21
1,93
1,24
2,34
1,70
2,30
Ergebnis je Aktie8
0,17
0,08
-0,04
-0,05
0,09
0,09
0,11
Dividende je Aktie8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Überraschend kam der Abgang indes nicht. „Das wussten wir schon im Zuge der Due Diligence“, beruhigt Körner. Und da Checkout Charlie berichtstechnisch bei Solute angedockt ist, führte dies zu einem entsprechenden Dämpfer – selbst wenn Solute isoliert um 9 Prozent gewachsen ist. „Da gibt es jedoch überhaupt keinen Grund zur Besorgnis. Wir sind sehr zufrieden mit Checkout Charlie“, betont Körner. Keine neuen Erkenntnisse gibt es derweil bei den Themenkomplexen, die viele Investoren vermutlich mindestens genauso bewegen: Mit Blick auf weitere Zukäufe führt das Team um Jens Körner Gespräche und sondiert den Markt. Noch gibt es dem Vernehmen nach aber keine derart engen Verhandlungen, dass ein Vollzug unmittelbar bevorsteht. Gleiches gilt für die geplante Aufstockung der Solute-Anteile über die jetzige Quote von 60,2 Prozent hinaus. Ein kniffliger Prozess, der sich zeitlich kaum terminieren lässt.
Doch die Ansage von Körner ist denkbar klar: „Wir geben uns nicht damit zufrieden, Solute konsolidieren zu können. Wir wollen sie komplett haben.“ Hintergrund der avisierten Aufstockung auf perspektivisch 100 Prozent sind nicht zuletzt die auf Holding-Ebene noch vorhandenen Verlustvorträge von rund 29 Mio. Euro, die Körner möglichst umfassend nutzen möchte. Voraussetzung dafür wäre freilich ein Ergebnisabführungsvertrag mit der Solute GmbH – und dafür braucht es die entsprechenden Mehrheiten. Ein Dauerbrenner bleibt derweil der offensichtlich immer vorhandene Aktienüberhang, der auf dem Kurs drückt. Wer zurzeit noch immer aussteigen will, lässt sich jedoch nicht valide sagen. Umso wichtiger wird es, dass ad pepper in Sachen Zukäufe vorankommt. „Der entscheidende Spin wird sein, wenn wir eine zweite billiger.de finden“, sagt Körner mit Blick auf die künftige Performance der Aktie. Die Taschen sind derweil mit einer Netto-Liquidität von 27,6 Mio. Euro prall gefüllt.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
ad pepper media
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
940883
NL0000238145
N.V.
71,40 Mio. €
09.10.2000
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Foto: Magnific
