Seit etwas mehr als 10.000 Tagen ist die aap Implantate AG nun an der Börse notiert. Das sind über 27 Jahre Kapitalmarktpräsenz, gestartet am 10. Mai 1999 im damals boomenden Neuen Markt. In der Spitze brachte es das Medizintechnikunternehmen aus Berlin damals auf einen Börsenwert von mehr als 120 Mio. Euro. Zum Vergleich: Die aktuelle Marktkapitalisierung beträgt knapp 21 Mio. Euro. Zum nachhaltigen Chart-Highflyer hat es aap Implantate also nicht gebracht. Zwar gab es immer wieder mal Phasen, in denen der Titel gefragt war. Letztlich fehlte es bislang aber am nachhaltigen Wachstum und der finanziellen Stabilität. Insofern haben Anleger in den vergangenen Jahren auch nicht viel verpasst bei aap.
Untätig war der Vorstand in der Vergangenheit aber eben auch nicht. Im Gegenteil: Mit der europäischen MDR-Zertifizierung hat das Unternehmen zuletzt einen regulatorischen Meilenstein für seine Implantate zur operativen Versorgung von Knochenbrüchen erreicht, der nun neue Kräfte freisetzt. Zudem besitzt aap mit ihrer antibakteriellen Silber-Implantat-Technologie eine Art Joker, der zwar noch keine Erlöse generiert, dem Firmenkenner perspektivisch aber ein erhebliches Potenzial zutrauen. Jedenfalls wurde die Aktie von aap Implantate bereits Ende August 2026 auf der Herbstkonferenz in Frankfurt mitunter als interessanter Tipp gehandelt. Tatsächlich machte die Notiz auch einen schönen Hüpfer, ist jetzt aber wieder zurückgekommen.
Auf dem ebenfalls von Equity Forum organisierten virtuellen Winter Forum am 16./17. November hat das Management nun erneut die Gelegenheit, die Investoren zu überzeugen. Zudem steht am 17. November ab 15 Uhr eine Vorstandspräsentation auf der Airtime-Plattform an. Einiges los also zurzeit in Sachen Investor-Relations-Aktivitäten. „Nach Jahren intensiver Restrukturierungsarbeit sehen wir heute erstmals alle wesentlichen Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum erfüllt: ein vollständig MDR-zertifiziertes Portfolio, eine deutlich verbesserte operative Profitabilität, neue Produkte im Markt und eine gestärkte internationale Vertriebsorganisation“, sagt der noch Jahresende 2026 amtierende CEO Rubino Di Girolamo. Das Timing der Kapitalmarktkonferenzen ist für aap insbesondere auch deshalb günstig, da noch bis zum 20. November 2026 die Bezugsfrist für die aktuelle Kapitalerhöhung läuft.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
9,33
12,17
11,52
11,48
12,20
12,49
13,60
EBITDA1,2
-4,77
-0,77
-1,71
-3,67
-0,85
-0,64
0,50
EBITDA-Marge %3
-51,13
-6,33
-14,84
-31,97
-6,97
-5,10
3,68
EBIT1,4
-7,89
-2,61
-3,39
-5,19
-2,70
-2,51
-1,50
EBIT-Marge %5
-84,57
-21,45
-29,43
-45,21
-22,13
-20,06
-11,03
Jahresüberschuss1
-8,79
-2,52
-2,56
-5,13
-3,63
-2,59
-1,65
Netto-Marge %6
-94,21
-20,71
-22,22
-44,69
-29,75
-20,70
-12,13
Cashflow1,7
-3,68
-2,47
-1,89
-2,99
-1,12
-1,43
-0,80
Ergebnis je Aktie8
-2,79
-0,51
-0,39
-0,58
-0,28
-0,19
-0,11
Dividende je Aktie8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Bis zu 1.486.563 neue Aktien zu je 1,35 Euro will das Unternehmen platzieren und so auf einen Emissionserlös von brutto rund 2 Mio. Euro kommen. Begleitet wird die Transaktion von der BankM aus Frankfurt. „Der Emissionserlös soll gezielt in Maßnahmen fließen, die Wachstum unterstützen oder die Kostenbasis verbessern. Dabei messen wir die einzelnen Maßnahmen konsequent an ihrem Beitrag zur operativen Entwicklung und zum Ergebnis“, sagt CFO Nicole Kassel. Darüber hinaus sollen in einem nächsten Schritt Gesellschafterdarlehen im Nennbetrag von 1,7 Mio. Euro via Sacheinlage in bis zu 1.350.000 Aktien gewandelt werden – im Börsenjargon heißt dieses Verfahren Debt-to-Equity Swap. Insgesamt also eine wichtige Weichenstellung zur Entlastung auf der Zinsseite.
Dabei prognostiziert die Gesellschaft für 2026 Umsatzerlöse in der Bandbreite von 11,5 bis 14,5 Mio. Euro. Das EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) soll dabei im mittleren Bereich zwischen minus 1,0 und plus 1,5 Mio. Euro ankommen. Zur Einordnung: Nach neun Monaten 2026 zeigt aap – trotz erheblicher Einbußen im Mittleren Osten – Erlöse von immerhin knapp 9,3 Mio. Euro. „Besonders dynamisch entwickelte sich weiterhin das US-Geschäft, das als wichtiger Wachstumstreiber des Konzerns gilt“, heißt es offiziell. Das EBITDA soll derweil nach neun Monaten die Gewinnschwelle überschritten haben – nach minus 0,14 Mio. Euro zum Halbjahr.
Keine Frage: Auf die kurze Sicht drückt die Barkapitalerhöhung auf den Chartverlauf. Diese Schwächephase sollte aber tatsächlich nur temporär sein. Die drei Wachstumshebel sind: Produktinnovationen, die Automatisierung der Produktionsprozesse sowie eine Forcierung des internationalen Vertriebs. Ab 2027 strebt das Unternehmen ein durchschnittlich zweistelliges Umsatzwachstum pro Jahr an. Klarer Fokus ist dabei das Trauma-Stammgeschäft. Eine Neujustierung der operativen Schwerpunkte, die am Kapitalmarkt so noch unterschätzt wird. Nun: Zeit wird es allemal, dass der Aktienkurs nachhaltig anspringt – mehr als 10.000 Tage nach dem IPO.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
aap Implantate
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
A3H210
DE000A3H2101
AG
20,75 Mio. €
10.05.1999
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Foto: Magnific


