Auf diese Nachricht haben sich alle gestürzt: Der Kraftwerkshersteller 2G Energy hat den von Investoren schon seit vielen Monaten erwarteten ersten Auftrag aus dem Bereich Data-Center für einen US-Kunden gemeldet. Dem Vernehmen nach geht es um ein Auftragsvolumen im unteren dreistelligen Megawatt-Bereich. Für 2G ist es damit der größte Einzelauftrag in der Firmengeschichte. CFO Friedrich Pehle hat also geliefert und die bei seiner Präsentation auf der Frühjahrskonferenz Mitte Mai 2026 in Frankfurt geschürten Erwartungen bestätigt. „Alle Signale, die wir erhalten, also die Art der Fragen oder auch die Dokumente, die uns zugestellt werden, lassen uns nicht daran zweifeln, dass das Projekt in den USA ordnungsgemäß abläuft und deswegen die finale Bestellung jetzt auch kommen wird“, sagte Pehle bei seinem Vortrag in Frankfurt und deutete zudem an, dass womöglich noch ein weiterer Auftrag – über die bislang in der heißen Ausschreibungsphase befindlichen Angebote hinaus – hinzukommt.
Kein Wunder, dass 2G Energy unisono zu den Top-Tipps der Investoren von der Frühjahrskonferenz gehörte. „2G steht derzeit in Verhandlungen mit weiteren Kunden aus dem Geschäftsbereich Data-Center und erwartet im Laufe der kommenden Monate weitere Aufträge im unteren dreistelligen Megawatt-Bereich“, heißt es nun auch offiziell. Regelmäßige Leser von boersengefluester.de kennen die Story und das Potenzial ohnehin aus ganz vielen Artikeln (HIER). Was uns dann aber doch überrascht, ist, wie massiv positiv die Kursreaktion am Kapitalmarkt auf den ersten Rechenzentrums-Deal ausfällt: Nachdem der Börsenwert von 2G Energy Anfang Mai 2026 erstmals überhaupt die Marke von 1.000 Mio. Euro toppte – das entspricht einem Aktienkurs nördlich 55,74 Euro –, ist die Marktkapitalisierung mittlerweile auf 1.283 Mio. Euro geschossen. Damit ist 2G Energy das drittwertvollste Unternehmen aus dem Scale-Segment – hinter Pfisterer und der Nürnberger Beteiligungs-AG. Allein seit der Bekanntgabe des ersten Data-Center-Auftrags am 26. Mai hat die Aktie in der Spitze um 30 Prozent an Wert gewonnen.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
246,73
266,35
312,63
365,07
375,61
398,00
490,00
EBITDA1,2
20,11
21,87
26,63
34,30
41,11
30,50
54,00
EBITDA-Marge %3
8,15
8,21
8,52
9,40
10,95
7,66
11,02
EBIT1,4
16,45
17,93
21,96
27,64
33,35
26,50
49,00
EBIT-Marge %5
6,67
6,73
7,02
7,57
8,88
6,66
10,00
Jahresüberschuss1
11,96
12,64
16,37
17,99
23,67
18,50
33,00
Netto-Marge %6
4,85
4,75
5,24
4,93
6,30
4,65
6,73
Cashflow1,7
9,79
8,86
4,98
11,72
53,35
36,00
41,00
Ergebnis je Aktie8
0,68
0,71
0,91
1,00
1,32
1,05
1,84
Dividende je Aktie8
0,11
0,12
0,14
0,17
0,20
0,22
0,25
Bleibt die Frage, ob das kurzfristige Momentum den Aktienkurs nicht doch etwas weit nach Norden getrieben hat. Bewertungstechnisch sollten Investoren nun mindestens auf die für 2027 zu erwartenden Zahlen schauen. Das gilt umso mehr, weil die Gesellschaft die EBIT-Margen-Prognose für 2025 zuletzt sogar deutlich gestutzt hat. Den Kapitalmarkt hat diese Anpassung der operativen Rendite freilich nicht schon deshalb nicht gejuckt, weil 2G parallel dazu den Ausblick für 2026 zumindest auf der Topline auf das obere Ende der bislang gültigen Spanne von 440 bis 490 Mio. Euro Umsatz eingegrenzt hat. Allerdings mit dem Zusatz, dass die damit korrespondierende EBIT-Marge von bislang avisierten 9,5 bis 10,5 Prozent nicht zwangsläufig dem Umsatz folgt und ebenfalls am oberen Ende des Prognosekorridors landet. Insofern ist eine Erwartungshaltung von rund 49 Mio. Euro für das 2026er-EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) momentan wohl angebracht.
Das ist zwar mehr, als bislang durchschnittlich zu erwarten war. Spürbar interessanter wird es aber mit Blick auf 2027. Hier kalkuliert das Unternehmen nun mit einem Umsatzwachstum auf 570 bis 620 Mio. Euro sowie einer EBIT-Marge von mehr als 11 Prozent. In einem mittleren bis oberen Szenario würde das auf ein Betriebsergebnis von etwa 67 Mio. Euro hinauslaufen. Das Zinsergebnis fällt bei 2G nicht so sehr ins Gewicht, aber abzüglich Steuern wäre daraus ein Überschuss von 46 bis 48 Mio. Euro wohl realistisch. Bezogen auf den aktuellen Börsenwert ergibt sich daraus ein 2027er-KGV von mehr als 27 – eine durchaus sportliche Einordnung des Kapitalmarkts.
Nun: Angesichts der Dynamik auch außerhalb der KI-getriebenen Energienachfrage von Rechenzentren – etwa in der Ukraine und auch hierzulande durch die Erfordernisse der Energiewende – muss diese Prognose nicht das letzte Wort sein. Zudem handelt es sich um einen langfristigen Zyklus. Trotzdem scheint boersengefluester.de momentan der Zeitpunkt für Neuengagements nicht wirklich optimal zu sein. Wir tauschen unsere bisherige dauerhafte Kaufen-Einschätzung kurzfristig gegen ein „Halten“ ein. Losgelöst bleibt 2G eine tolle Wachstumsstory, von denen es hierzulande leider viel zu wenige gibt. Die Analysten von haben ihr Kursziel derweil von 50 auf 74 Euro heraufgesetzt.
Foto: Magnific

